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Als Aargauer unterwegs

Samstag, 29. April 2006

Zinnowitz - Kölpinsee - Zinnowitz

PreussenhofDen heutigen Tag begannen wir bei wiederum schönstem Sonnenschein mit einer kurzen Fahrt auf der Usedomer B?der Bahn in Richtung Süden bis nach dem Seebad Kölpinsee. Den Nachmittag hatten wir zur freien Verf?gung und bummelten etwas kreuz und quer durch unseren Ferienort Zinnowitz.

Eine knappe Viertelstunde trug uns der Zug nach Süden der K?ste entlang, bevor wir ihn wieder verliessen. Nach einem Abstecher auf den nahen Damm zur Ostsee hin, beginnen wir mit der Umwanderung des Kölpinsees. Auch dies ein S?sswasser-See. Alle paar Jahrzehte wird er allerdings von Sturmfluten aus der Ostsee überrollt. So das letzte Mal zum Beispiel 1995/96 und davor 1912/13 und 1905/06. Dies obwohl die D?mme laufend erh?ht und verst?rkt werden. Der See und die Gegend darum herum stehen heute unter einem Fl?chen-Naturschutz. Offensichtlich dient der See vielen Schwänen als Brutst?tte.

Zum Mittagessen waren wir wieder in Zinnowitz zurück. Kaffee und Kuchen wird hier auch in vielen Restaurants angeboten. Aber wenn am Tisch daneben gebratene oder fritierte Welse und Heringe angeboten werden, schmeckt mir auch der Kuchen nicht mehr. (Ein bisschen Esskultur sollte es schon noch sein und dann passt Kuchen und fischeliges ?l eben nicht zusammen.) Gleichzeitig verdunkelte sich auch das Wetter. So machten wir uns auf die Suche nach einem passenden Lokal. Wir wurden dann im Caf? Marimar, Untertitel "f?r Menschen mit besonderem Geschmack" fündig und bestellten unsere eigene Mischung von Blechkuchenst?ckchen und Kaffee.

Geschichtliches zu Zinnowitz: Zinnowitz muss es schon länger gegeben haben, als es erstmals 1309 als Tsyz (aus dem slawischen für Korn) erw?hnt wurde. Über die Jahrhunderte machte es seinen normalen Usedom-?blichen und ?rmlichen und kriegszerr?tteten Weg. Ein erster wirtschaftlicher Anlauf um 1750 unter preussischer Herrschaft verlief aber im Leeren. Erst 100 Jahre später, 1851, stellten die Zinnowitzer, angeregt durch die Erfahrungen in den benachbarten Badeorten Heringsdorf und Swinem?nde (Polen), den Antrag, ebenfalls ein Badekurort werden zu d?rfen. Badekarren wurden angeschafft und ein Hotel namens Wigwam erstellt. Sogar eine Backsteinkirche wurde erbaut. Aber so richtig wollte das Geschäft mit den Badenden nicht anlaufen. Nobelster Besuch war der letzte Kronprinz der Preussen der hier einen Kuraufenthalt verbrachte. Ihm zu Ehren wurde das Strandhotel in "Preussenhof" umbenannt. Das selbe Geb?ude wurde dann während des 2. Weltkrieges von der IG Bergbau übernommen, umgebaut und zum Bergarbeiterheim "Glückauf" umbenannt. Das stilvoll restaurierte Haus heisst heute wieder Preussenhof.

Der "Braunen Gesinnung" auch deutsch-national genannt, war Zinnowitz nie ganz abgeneigt. Im Gegenteil: 1920 forderten Kurg?ste und Einheimische, dass das "rein deutsche Gepr?ge" zu erhalten sei. Ausl?nder, insbesondere Juden, waren unerw?nscht. Es ging dann allerdings doch schneller und vermutlich auch in eine etwas andere Richtung als sich dies die meisten erhofft hatten. Im Zusammenhang mit der Peenem?nder Raketenforschung wurde Zinnowitz ebenfalls in den milit?rischen Sperrbezirk einbezogen. Statt der zahlenden Badeg?ste mieteten sich nun die leitenden Angestellten der Anlage im Seebad ein, darunter auch Wernher von Braun. In den Sandd?nen wurden Funkmessstellen und im Wald Abschussrampen für die V1-Raketen erstellt.

Nach den ersten wirren Kriegsjahren kam dann endlich die grosse Zeit für Zinnowitz. Der Ferienort wurde zum "Ersten Seebad für Werkt?tige" erkl?rt. Die Enteignungswelle rollte über Zinnowitz. Nun reisten die Kumpel aus den Uranerzbergwerken des Erzgebirges mit ihren Familien heran, um ihre ruinierte Gesundheit mit Zinnowitzer Seeluft ein wenig zu kurieren. Gigantische Bauten wurden errichtet, um die werkt?tigen Massen unterzubringen, zu versorgen und zu unterhalten. Dazu gehörte das Kulturhaus, die Sportanlagen, die dann als nationales Trainingszentrum für Spitzensportler und Olympiakader genutzt wurden, wie auch das Hotel Roter Oktober, das heute modernisiert Hotel Baltic heisst.

Aktuelles zu Zinnowitz: Zinneowitz hat heute etwa 2770 Einwohner und 58 Restaurants. Auch in Zinnowitz wurde nach der Wende kräftig gebaut, umgebaut, restauriert und renoviert. Zinnowitz hat seine Ostseeb?hne mit allj?hrlich stattfindenden Theatern über die Legende der untergegangenen Stadt Vineta. Die Blechb?chse, ein Theater mit ansprechendem Programm und diversen Operetten, Komödien, Kinderst?cken aber auch den Klassikern von Schiller oder Shakespeare. Selbstverst?ndlich gibt es auch eine Seebr?cke (315 Meter lang), welche ihren Anfang in der Strandpromenade nimmt, welche ihrerseits wiederum in diverse Einkaufsstrassen, den beliebten Flaniermeilen m?ndet. Auch ein Bademuseum gehört hierhin. Das Hotel Baltic hat eine Bernsteintherme, eine Badelandschaft, die den Begriff "Wellness" in die Praxis umsetzt, erhalten. Auch das Hotel Baltic, sieht zwar ?usserlich mit seiner m?chtigen blau verglasten Front nicht wirtlich zierlich aus, dafür ist man als Gast in jeder Beziehung sehr gut bedient. Service, Freundlichkeit und Angebot stimmen. Kaum etwas, lässt hier die Vergangenheit durchschimmern. Das kann ich gut beurteilen, denn wir haben uns hier schliesslich eine Woche lang bedienen lassen und haben uns wohlgef?hlt.

Im Verlaufe des Nachmittags hellt das Wetter (ohne Regen) wieder auf und wir geniessen diesen letzten Nachmittag an der, von einer Nordostbise gewellten, leicht sch?umenden, Ostsee (10 Grad Lufttemperatur, 2 Beaufort Windst?rke bei nord?stlicher Richtung wird angezeigt).

Hotel Baltic, Zinnowitz, unser Heim für eine Woche. Oberste blaue Etage, etwa in der Mitte





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von Urs, am 29.04.06 um 22:47
in Usedom

(2) Kommentare erhalten / weiteren Kommentar schreibenPermalinkgrosse Darstellung


erhaltene Kommentare:

  1. Beinahe w?re ich ?ber das 1.Mai-Wochenende in eure N?he gefahren, n?mlich nach R?gen , bin dann aber doch in die Schweiz zur?ck. In Greifswald war ich auch schon mal. Haben die Z?ge der Usedomer B?der Bahn gefallen ?  Sind n?mlich aus der Schweiz.

    eingetragen von Peter, am  30.04.2006  um  09:02


  2. Dachte doch gleich, dass ich schon mal auf etwas ?hnlichem gesessen bin.  grin Liefen ruhig auf der Schiene und das Dieselaggregat war recht gut ged?mpft. Interessant an der Bahn war, dass auf keinem Bahnhof eine Toilette betrieben wird, hingegen in den Z?gen recht komfortable WC-Abteile eingerichtet sind.

    eingetragen von .(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen), am  30.04.2006  um  23:54


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