 Eigentlich hätte es heute laut Streckenbeschreibung durch den gebirgigen Küstenstreifen der Cinque Terre gehen sollen. Eine steile und zerkl?ftete Felsk?ste und malerische D?rfchen hätten wir sehen sollen. Allerdings w?re der Preis daf?r eine nicht ganz einfache Strecke zum Fahren mit vielen giftigen Rampen gewesen.
Der Streckenplan wurde deshalb etwas entsch?rft, weniger hohe Rampen und nicht ganz so weit in die Cinque Terre hinein.
Nach zwei kleinen "Bodenwellen" nach der Abfahrt begann dann schon bald der Aufstieg auf den Passo di Bracco. Auf einer L?nge von etwas über 20 Kilometer geht es von null Meter über Meer auf eine Höhe von 612 Meter über Meer. Keine gef?hrlichen Rampen, dazwischen immer wieder ebene St?cke, gen?gend Zeit also um immer wieder einen Blick auf die K?ste hinunter zu werfen, oder die Vegetation ein bisschen anzuschauen. Felsige Partien wechselten ab mit ?ppiger Vegetation, Pinienb?ume und irgendwelche Farne standen da am Weg, ab und zu ein Kaktus, vielleicht auch eine Aloe. Das Wetter meinte es vorerst gut mit uns: bedeckt kaum Sonne und ein bisschen Wind bei 24 Grad, also ziemlich ideal. Auf dem Pass wartete das Fahrzeug mit der Verpflegung.
Dann die Abfahrt nach La Spezia hinunter, nicht ohne dass uns dabei ein kleiner, aber giftiger Gegenanstieg bei mittlerweile schönster und w?rmster Sonne im Weg stand. Kurz vor La Spezia nochmals ein zweiter, aber weitaus weniger anstrengender Hügel.
La Spezia passierten wir um die Mittagszeit und k?mpften uns unter gl?hender Sonne noch bis zum Kilometer 100 an diesem Tag wo wir endlich bei einem angenehmen Restaurant fündig wurden.
Das schöne in Italien ist unter anderm die Unkompliziertheit der Bedienung: Man wird sich schnell einig: Ein Teller Spaghetti Pomodoro, ein Salatteller und Mineralwasser kosten 12?, Kaffee und Cola muss separat dazu bezahlt werden. So etwas ist in Frankreich nie möglich gewesen. Dies fing schon bei den Teigwaren an, denn dort hatte man nie für auch nur 10 Leute gen?gend Teigwaren.
Nach dem Mittagessen rechneten wir mit noch etwa 60 Kilometer absolut flache Fahrt. Wir fuhren der K?ste entlang, an unz?hligen Badestr?nden, Ferienh?uschen und Hotels vorbei. Wobei dieser Streckenabschnitt bei weitem nicht so überbaut ist wie die Riviera schlechthin. Oleander und oleander-?hnliche B?sche in allen Gr?ssen und Farben scheinen weiterhin das Hauptgew?chs zu sein. Irgendwo dazwischen Carrara, dort wo der bekannte Carrara-Marmor verarbeitet wird. Jendenfalls standen in einem Fabrikgel?nde riesige Marmorbrocken herum. Nach den Badestr?nden, so um Viareggio herum wechselten wir wieder auf die SS1, durchfuhren Wälder, irgendwelche Schilfgebiete und plötzlich standen wir vor dem heutigen Hotel. Dabei waren seit dem Mittagessen doch erst nach 50 Kilometer verstrichen.
Ist ja schlussendlich auch recht, so gibt es heute etwas früher Feierabend.
Eigentlich wollte ich schon lange mal berichten wie es mir selber geht: Nach mittlerweile elf Etappen, etwa 1400 Kilometern und etwa 15'000 Höhenmetern geht es mir recht gut. Noch keinerlei Erm?dungserscheinungen, die Beine sind gut drauf, vielleicht etwas verspannt an der Schulter, aber sonst alles, inklusive Verdauung und Ges?ss, im grünen Bereich. Wegen der vielen Spaghetti und dem in der Regel sehr guten und umfangreichen Essen, bef?rchte ich sogar, etwas an Gewicht zuzunehmen. Die Herausforderungen haben seit Frankreich massiv ge?ndert: Stellten in Frankreich eher die Höhenmeter den Hauptteil der Herausforderung dar, so sind es hier in Italien eher die rauhen und teilweise schlechten Strassenverh?ltnisse sowie seit gestern auch die Hitze. Erlebnis- und Erholungseffekt sind aber immer noch weitaus gr?sser als irgendwelcher Leistungs- oder Leidendsdruck. Ich habe meinen Entscheid, von der Geniessergruppe in die Rollergruppe zu wechseln jedenfalls noch nie bereut. |