PICT6331 Berninapass

PICT6335 Forcla di Livigno

PICT6339 Eire

PICT6340 Foscagno

PICT6346 Stelvio

PICT6352 Umbrail

PICT6361 Reschenpass

PICT6363 Fl?elapass

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Als Aargauer unterwegs

Donnerstag, 21. September 2006

Rucksäckli-Tour Herbst 2006

Nach einer Regenperiode mit intensiven Niederschl?gen, wenigstens auf der Nordseite der Alpen, sehen die Wetterprognosen ziemlich erfreulich aus. So entschliesse ich mich diesmal kurzerhand auf der Südseite der Schweiz, genauer im Grossraum Engadin / Stilfserjoch ein paar Pässe zu fahren. Weil ich diesmal keinen Notebook dabei hatte, sondern lediglich ab und zu via Handy ein e-Mail am meine Homepage senden konnte, sollen die folgenden Zeilen in diesem Sinne eine Zusammenfassung meiner zweit?gigen Fahrt sein.

Dienstag, 19. September 2006:

Nach knapp vierst?ndiger Fahrt mit den SBB und der R?thischen Bahn, stelle ich kurz nach 10 Uhr meinen Renner in Samedan auf die Strasse. Das Wetter ist nicht ganz wie erhofft. Die Temperatur liegt um 15 Grad, der Himmel ist bew?lkt, es sieht aber nicht nach Regen aus. Es weht ein relativ kühler Wind durch das Engadin.

Schon nach wenigen Kilometern in Richtung Pontresina und Berninapass, wird mir klar, dass ich zumindest den Windstopper und die ?rmelstulpen überziehen muss. Die Beine stecken in einer halblangen Hose. Die Strasse auf den Berninapass ist eine eher "milde" Angelegenheit, so dass ich immer wieder Gelegenheit habe, das Panorama ins Roseggtal und später zum Morteratschgletscher zu geniessen. Auffällig auch, dass viele Touristen mit Autocars hier her gekarrt werden, nur um ein Foto zu schiessen. Zugegeben; das rote, vielleicht auch das gelbe Berninab?hnchen im Vordergrund, die grünen Lerchen dazwischen, dann der weisse Morteratschgletscher mit einem blauen Himmel im Hintergrund: viel mehr Fotoerlebnis kann man nicht mehr bieten. Nur, heute ist der Himmel grau und das B?hnchen lässt auf sich warten.

Bald einmal bin ich auf dem Berninapass angekommen, schiesse meine obligaten Passfotos, versuche etwas guten Hintergrund zu bekommen. Die Talfahrt durch das Puschlav hinunter breche ich schon nach wenigen Kilometern ab und zweige in Richtung Schnapsparadies, Livigno, ab. Dazwischen der Forcla di Livigno. Die Auffahrt zwar nur gerade vier Kilometer lang, aber überraschend steil. Von der Passhöhe weht ein starker und kühler Wind herunter, so dass ich mir einen Moment lang überlege, eben doch unten durch, über Tirano nach Bormio zu fahren. Zu gross aber die Verlockung, auf dem Weg über Livigno, drei Pässe auf einen Schlag "erobern" zu können.

Nach dem Forcla di Livigno geht es dann ziemlich z?gig während etwa vierzehn Kilometern hinunter. Der Himmel weiterhin bedeckt, kalter Wind, kaum Aussicht auf die umliegenden Berge, aber weiterhin kein Regen. Von Livigno über den Passo d'Eira und etwas später über den Passo die Foscagno. Beide Pässe sind leider nur auf der Strassenkarte als Pass angeschrieben. Die Italiener scheinen kein grosses Gewicht auf ihre Passnamen zu geben. Auf dem Foscagno finde ich wenigstens noch ein Haus, mit der Bezeichnung des Passes. Auf dem Passo d'Eira scheint im Winter einiges los zu sein, denn da stehen Sessellifte und Skilifte herum. Auch überf?hrungen über die Strasse, vermutlich bedingt durch die Pistenf?hrung im Winter, sind vorhanden.

Bei der Abfahrt vom Foscagno hinunter nach Bormio, eröffnet sich rechterhand eine wunderbare Aussicht auf Gletscherberge. Auch sind hier die Lerchen bezüglichihrem Farbwechsel nach Gelb, deutlich weiter als im Engadin. Die Strasse bis nach Bormio hinunter weist eine einzige Spitzkehre auf, ist ansonsten sehr gut ausgebaut und lässt selbst mit dem Renner sehr hohe Tempi zu. Zu aller Freude, wird auch das Wetter endlich wärmer. Die Sonne beginnt zu scheinen, so dass ich, trotz der Abfahrt, endlich wieder meinen Windstopper und die ?rmelstulpen ausziehen kann. In Bormio zeigt das Thermometer immerhin 22 Grad an. Die Strasse aus dem Tal der Bormina m?ndet nur wenig oberhalb Bormio in die Passstrasse zum Stilfserjoch.

Ich mache hier meine erste gr?ssere Pause, verpflege mich aus dem Rucksack, mache noch etwas Kartenstudium, überpr?fe die "Distanz zum Ziel" gemeldet von meinem GPS. Denn vor mir stehen jetzt 18 Kilometer Passstrasse und etwa vierzehnhundert Höhenmeter. Im Schnitt zwar nur knapp 8%, aber mit den ebenen St?cken dazwischen, d?rfte sich der Rest der Strecke hart an der 10% Grenze und leicht darÜber befinden.

Ich fahre gem?chlich los, anf?nglich mit leichtem Rückenwind aus dem Tal herauf, später dann etwas Gegenwind, bevor fast absolute Windstille einkehrt. Ab der Kurve 35 bemerke ich, dass die Kurven auch auf dieser Seite des Stilfserjoches nummeriert sind. Das Tal ist steinig, die Waldgrenze lasse ich schon bald hinter mir, noch etwas Geb?sch, doch auch dieses macht bald einer mageren Grasnarbe Platz. Auf einer längeren geraden Strecke sind mehrere Tunnels zu durchfahren, typisch italiensich: nass, kalt, unbeleuchtet, unbel?ftet und eng. Verkehr, ausser ein paar Motorr?dern und etwas weniges Ferienverkehr, gibt es auf dieser Strecke nicht. Ganz hinten im Tal, endlich eine längere Passage mit vielen Spitzkehren. Die Strasse schraubt sich hier regelrecht in die Höhe bevor sie dann nach einem längeren, fast flachen St?ck, in eine andere Gel?ndekammer einm?ndet. Hier sehe ich erstmals das Stilfserjoch vor mir. Noch ist es weit. Aber etwa zwei Drittel von Kilometern und Höhenmetern sind geschafft.

Weitere Spitzkehren sind in Sichtweite. In diesem engen Tal, gibt es um diese Zeit, wenigstens im Herbst, keine Sonne mehr. Auch bl?st wieder ein kühler Wind von den Bergen herunter. ?rmelstulpen und Windstopper sind übergezogen. Die Fahrt (die Qual?) geht weiter. Abzweigung zum Umbrailpass ist vorbei. Noch etwa drei Kilometer bis zur Passhöhe. Auf der Passhöhe leuchtet die untergehende Sonne noch ein letztes Mal die Hotels und die anderen Häuser an, während sich die Berggipfel immer noch in dicke Wolken geh?llt haben.

Dann, kurz vor 19 Uhr ist es geschafft. Die Tafel von der Passhöhe ist fotografiert. Gleich dahinter das Hotel "Genziana". Ich entschliesse mich, die Fahrt für heute an dieser Stelle abzubrechen. Vermutlich w?re es zu gef?hrlich gewesen, in der heraufkommenden Nacht noch ins M?nstertal hinunter zu fahren.



Details zur heutigen Fahrt
stark bew?lkt Vormittag
mit dem Renner
Nachmittag 06 bew?lkt, mit einzelnen Sonnenabschnitten
99.3 Kilometer
63.9 Maximale Geschwindigkeit
2923 Höhenmeter
7:18 Fahrzeit
13.6 KM/h Durchschnitt
Weitere Details zur Fahrt
image Aktueller Stand der Kilometer in der Saison 2006
image Aktueller Stand der Höhenmeter in der Saison 2006



Mittwoch, 20. September 2006:

Das Thermometer vor dem Hotel zeigt frühmorgens drei Grad an. Aber dafür haben wir einen wolkenlosen Himmel. Die Sonne steigt gerade von den obersten Berggipfeln herunter und taucht die Felsw?nde in eine eigent?mlich rote Farbe.

Ich geniesse das Morgenessen. Für italienische Verh?ltnisse sehr reichhaltig. (Velofahrer sind in diesem Hotel "Genziana" willkommen, steht ja schliessslich über der T?re). Kurz nach acht Uhr verlasse ich das Hotel, eingepackt in so ziemlich alles, was irgendwie warm geben könnte. Allerdings nicht ohne einen Blick von der Passhöhe in Richtung Trafoi, die typische Stilfserjoch-Passstrasse zu werfen.

Meine Abfahrt mache ich allerdings hinunter in Richtung Umbrailpass. Von dieser Seite ist er nur gerade eine kleinste Gegensteigung. Nur wenige Höhenmeter geht es hinauf und anschliessend dann ins M?nstertal hinunter. Die ersten 1000 Höhenmeter (Sta. Maria) sind bald vernichtet. Die Temperatur ist aber nur unwesentlich gestiegen. Das M?nstertal liegt im Schatten und so fahre ich weiter bis kurz vor Glurns. An einem Waldrand entledige ich mich endlich meiner wärmenden Kleider und packe deshalb auch den Rucksack nochmals neu. Die ersten 30 Kilometer habe ich bis jetzt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 40 Kilometer zurückgelegt. War aber kein Kunstst?ck, denn schliesslich bin ich jetzt ja auch etwa 1800 Meter tiefer als bei der Abfahrt. Übrigens: das ungeteerte St?ck Strasse am Umbrail ist knapp drei Kilometer lang und besteht aus festgefahrenem Sand und Kieselsteinen.

Die Auffahrt auf den Reschenpass ist bald geschafft. Die Spitzkehren bieten mit zunehmender Höhe schon fast spektakul?re Aussichten zurück in Richtung der Bergkette mit dem Stilfserjoch. Auch in Reschen werden carweise Touristen zum Fototermin mit der Alpenwelt ausgeladen. Heute, mit dem blauen, wolkenfreien Himmel, ein besonders schöner Anblick, w?hre da nicht das Gegenlicht.

Die eigentliche Tafel mit dem Pass befindet sich beim Reschenpass schon deutlich unter der eigentlichen Passhöhe. Fast hätte ich sie verpasst. Auf einer gut ausgebauten Strasse geht es hinunter bis fast nach Nauders und von dort über einen kleinen Zwischenh?gel ins Engadin, nach Martina. Kurz vor der Mittagszeit treffe ich hier ein, m?chte mir in einem der D?rfchen Martina, Chaflus, Srada oder Ramosch einen Mittagstisch suchen. Doch da ist alles zu. Ich glaube die Umfahrungsstrasse hat die D?rfchen entv?lkert. Wohl stehen da ein paar angeschriebene Häuser herum, doch keines macht den Eindruck, als ob da etwas aufgetischt würde. So fahre ich denn bis nach Scuol hinauf, finde dort im Hotel/Restaurant Bellaval (Radfahrer willkommen) einen gedeckten Tisch.

Kartenstudium, Planung des Nachmittags und Höhenmeter-rechnen bis ich mich dazu entschliesse, noch die Fl?ela zu fahren. Kurz nach zwei Uhr verlasse ich das Restaurant in Richtung Susch. Etwas nach drei Uhr beginne ich mit dem Aufstieg auf die Fl?ela. Im unteren Teil ist sie steil, wie mir scheint, sogar sehr steil. Es folgt um die Waldgrenze herum ein etwas flacheres St?ck, bevor dann gegen den Schluss nochmals Spitzkehren mit ziemlich viel Höhenmetergewinn zu bew?ltigen sind. Kurz vor der Passhöhe abermals ein ziemlich flaches St?ck und dann endlich die beiden Seelein mit der Passtafel.

Den ganzen Tag hindurch hatte ich bis jetzt wunderbares Wetter. Im Herbst allerdings, wenn die Sonne nicht mehr auf so einer hohen Laufbahn den Tag verbringt, ist in den schmalen T?lern viel Schatten anzutreffen. Verbunden mit den zwar schwachen, aber doch meist vorhanden Winden, wird es dann teilweise ziemlich kühl. Spätestens seit Susch, habe ich mir deshalb wieder Windstopper und ?rmelstulpen übergezogen.

Während der Abfahrt nach Davos sp?ren dann auch die Finger diese empfindliche Kälte. Von Davos über den Wolfgangpass, der von dieser Seite her allerdings kaum der Rede wert ist, weiter nach Klosters hinunter. Dunkle, kalte und feuchte Stellen entlang von Felsw?nden fordern den Fingern abermals einiges "Durchbremsverm?gen" ab.

In Klosters scheint noch einen Moment lang die Sonne. Von den Überlegungen beim Mittagessen weiss ich, dass es ab Klosters bis Landquart noch gut 40 Kilometer sein werden. Ich m?chte um spätestens 19.15 in Landquart sein. Höhenmeter erwarte ich keine mehr, höchstens noch flache St?cke. Im Kopf rechnet es wieder einmal: doch zum Schluss siegt die Risikofreudigkeit. Ich fahre in einem Höllentempo nach Landquart. Fast alles auf der grossen Scheibe, die gefahrene Durchschnittsgeschwindkeit erh?ht sich laufend. Komme mir vor wie ein richtiger G?mmeler: nur noch die R?cklichter/Bremslichter der ?beholenden Autos im Blickfeld. Dazwischen immer wieder ein Blick auf meine aktuelle Geschwindigkeit und die Restdisanz bis nach Landquart.

Die Autos zweigen dann ab auf eine neue Verbindungsstrasse, während die Radfahrer auf der alten Kantonsstrasse das Pr?ttigau hinunter brettern d?rfen. Die zwei Landwirtschaftsfahrzeuge zu überholen war keine Sache, bei den beiden Rennfahreren hatte ich schon etwas mehr Mühe. Gegenverkehr gab es gl?cklicherweise keinen auf dieser Strasse. Zwei oder drei heiklere Situationen in D?rfchen waren zu meistern und einmal musste ich auch noch den Bidon auff?llen, denn der Durst ist ja zeitunabh?ngig.

Um 19:05 war es geschafft. SBB-Bahnhof Landquart, Tageskarte für den Renner lösen, und um 19:26 den Renner in den Postwagen geh?ngt. Dies nach einer zweit?tigen Fahrt die meiner Ansicht nach wirklich alles zu bieten hatte, was man vom Fahren mit dem Renner erwarten darf:
  • kein Regen, vielleicht manchmal etwas kalt
  • fast einen ganzen Tag nur Sonnenschein, mal von den schmalen T?lern und den Abendstunden abgesehen
  • 9 Pässe (wobei der Wolfgangpass und der Umbrailpass eher für die Statistik z?hlen.
  • M?hsame, manchmal vielleicht qu?lende Auffahrten, für die man aber auf meist wunderbaren Strassen bei der Abfahrt wieder entsch?digt wurde
  • viele, schöne Bilder im Kopf, von Schneefeldern, Gletschern, Seen auf Pässen, Morgenröte an Alpenk?mmen
  • Dutzende von Kilometern Abfahrt in H?chstgeschwindigkeit (tut eben trotz aller Vorsicht und Umsicht, doch mal gut, so richtig losbrettern zu können.
  • knapp 5500 Höhenmeter und etwa 280 Kilometer in nur zwei Tagen.




Details zur heutigen Fahrt
sch?nster Sonnenschein Vormittag
mit dem Renner
Nachmittag sch?nster Sonnenschein
178 Kilometer
68.7 KM Maximale Geschwindigkeit
2377 Höhenmeter
8:29 Fahrzeit
21.0 KM/h Durchschnitt
Weitere Details zur Fahrt
image Aktueller Stand der Kilometer in der Saison 2006
image Aktueller Stand der Höhenmeter in der Saison 2006





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von Urs, am 21.09.06 um 22:37
in Training oder Ausflüge • in Forcola di Livigno • in Passo di Eira • in Passo di Foscagno • in Stilfserjoch • in Reschen • in Bernina • in Flüela • in Umbrail • in Wolfgang

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erhaltene Kommentare:

  1. Wow Urs, das ist wahrlich eine Meisterleistung!

    Bin es ja irgendwie gewohnt VIELES in einen Tag hinein zu packen -mit Kindern l?uft st?ndig was. Aber bei Dir h?tte ich die Tour glaub’s nur als Beifahrer in Deinem “Anh?nger” geschafft *smile*

    Hoffe Du hast jetzt auch ein paar Tage “Verschnaufpause” und kannst die gewonnen Eindr?cke auf Dich wirken lassen.

    Liebe Gr?sse
    Christa

    eingetragen von Christa, am  22.09.2006  um  10:09


  2. Danke, “musste” heute aber noch meinen 6’000-Kilometer in diesem Jahr hinter mich bringen.

    Jetzt k?nnte es vielleicht tats?chlich etwas ruhiger werden.

    eingetragen von .(Javascript muss aktiviert sein, um diese E-Mail-Adresse zu sehen), am  22.09.2006  um  20:39


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