Mittwoch, 07. September 2005
Mit Poker Geld verdienen?
Manch B?rsianer wird sich gestern gefragt haben, ob er nicht vielleicht doch lieber auf eines der vielen SPAM-Mails hätte reinfallen sollen. Denn viel mehr Geld als mit den Aktien von Party Gaming hätte er wohl nicht verlieren können.Ausgel?st wurde das Desaster, weil einerseits doch nicht gen?gend zus?tzliche Kunden angeworben werden konnten und andererseits die Kundenbindung doch nicht so hoch wie erwartet gewesen sei.
N?tzt der ganze Poker-SPAM doch nichts? Oder verdient auch beim Spiel an der B?rse nur die Bank?
Original-Text der NZZ vom 07.09.05: Die Aktion?re von PartyGaming haben hoch gewettet - und viel verloren. Die Titel des Online- Poker-Betreibers st?rzten am Dienstag an der Londoner B?rse um 33,0% ab, nachdem das Unternehmen erkl?rt hatte, dass sich das Wachstum im Online-Poker-Markt abschw?che. Die Aktien des Konkurrenten Sportingbet und UKBetting wurden mit in den Sog gezogen und verloren 16,2% bzw. 5,6%. Das Eingest?ndnis, dass auch der Online-Poker-Markt nicht bis in den Himmel w?chst, ist für die Anleger stossend, weil es nur drei Monate nach dem euphorischen B?rsengang von PartyGaming erfolgt. Sie werden sich fragen, ob die schw?chere Entwicklung nicht schon eher absehbar war. Zwar sind die Einnahmen des Unternehmens im ersten Halbjahr um 80% auf 437 Mio. $ gestiegen. Danach hat sich allerdings laut PartyGaming das Blatt gewendet. Die Zahl der regelm?ssigen Pokerspieler stieg im Juli und August gegenÜber dem Vorjahr ?nur noch? um 59%, nachdem sie sich im ersten Halbjahr noch um 102% mehr als verdoppelt hatte. Einschneidend ist ferner, dass die Kundenbindung geringer wurde. Der Anteil von Neukunden, die innerhalb von sechs Monaten wieder mit dem Pokern aufh?rten, stieg im ersten Halbjahr auf 66%. Es kommen zwar mehr Gelegenheitsspieler in den Pokerraum, diese zocken allerdings für PartyGaming nicht so profitabel wie die Hardcore-Spieler. Vor diesem Hintergrund ist es nur ein schwacher Trost, dass die Firma, die 85% der Einnahmen in den USA erzielt, in andere L?nder expandieren will und die Abh?ngigkeit vom Online-Pokern zugunsten anderer Glücksspiele reduzieren will. Eine weitere Frage ist, wie gut sich der Marktf?hrer PartyGaming gegenÜber der hungrigen Konkurrenz behaupten kann. Finanzanalytiker haben bisher den Bekanntheitsgrad der Marke, Vertrauen in Fairness und Zahlungssicherheit und kritische Masse in einem hochfragmentierten Markt als relativ hohe Markteintrittsbarrieren für neue Wettbewerber angesehen. Umgekehrt ist es aber nicht schwierig, eine neue Website einzurichten, zumal man mittlerweile die Software von dritten Anbietern kaufen kann. Damit könnte der Eintritt neuer Konkurrenten einfacher sein als bisher angenommen.
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