Hierzulande noch ein Randph?nomen

mhz. Mit rund 10 000 Online-Journalen - gegen?ber 3,5 Millionen in den USA - ist Blogging im deutschsprachigen Raum noch ein Randph?nomen. Die Besucherzahlen der gr?ssten deutschen Weblogs liegen um weit mehr als das Zwanzigfache hinter jenen in den USA zur?ck. So ist hierzulande mit Bloggen noch kein Geld zu verdienen. Zwar lassen sich auf dem einen oder anderen Angebot diskret placierte Textanzeigen entdecken, und das Thema wird auf den einschl?gigen Weblogs mitunter recht leidenschaftlich diskutiert. Nennenswerte Ums?tze werden aber noch keine erzielt, wie Anfragen bei f?hrenden deutschen Webloggern ergeben haben. Ein namentlich nicht genannt sein wollender Fach-Blog will es zwar auf monatlich 200 bis 300 Euro bringen. Aber selbst J?rg Kantel, der mit seinem ?Schockwellenreiter? den vermutlich meistfrequentierten Blog Deutschlands betreibt, bringt es mit Textanzeigen nach eigenen Angaben derzeit auf mickrige 25 Euro pro Monat - ein Betrag, der gerade einmal die H?lfte der Hosting-Kosten decken w?rde.

Als Aargauer unterwegs

Samstag, 25. September 2004

(Klein-)Geld in Sicht; Weblogs experimentieren mit Geschäftsmodellen

Unter diesem Titel veröffentlichte die NZZ kürzlich eine längere Abhandlung über Möglichkeiten und Aussichten im finanziellen Bereich während des Betreibens von Blogs. Die Ertragskraft reicht demnach von “meist Null” über die Bratwurst bis hin zu gut bezahlten Stellenangeboten.





Von vielen einst als Bet?tigungsfeld für Narzissten bel?chelt, werden Weblogs inzwischen als zus?tzliche Stimme im Kanon der Medien ernst genommen. In den USA kann man mit solchen Online-Journalen nun sogar Geld verdienen. Seitdem kürzlich mehr als 30 Weblog-Autoren zum Parteitag der amerikanischen Demokraten akkreditiert worden sind, d?rften sich die meist aus engagierten Kommentaren, pers?nlichen Eindrücken und Verweisen auf Fundst?cke im Netz bestehenden Online-Journale endg?ltig von ihrem Schattendasein befreit haben. Vor allem in den USA scheint eine wachsende Leserschaft den meinungsbetonten und mitunter ?usserst subjektiven politischen Weblogs gegenÜber den auf Ausgewogenheit und politische Korrektheit bedachten Leitmedien den Vorzug zu geben. Aber auch die meist von Experten unterhaltenen Fach- und Branchen-Blogs stossen auf zunehmendes Interesse. Auf monatlich weit über drei Millionen Besucher bringen es heute die bekanntesten US- Weblogs, und immer ?fter verweisen auch etablierte Medien auf Beitr?ge von Bloggern. Für Gottes Lohn Das Leben eines Weblog-Schreibers kann indes hart sein. Manch ein Autor f?hlt sich durch die Erwartung seiner Leser auf regelm?ssige und lückenlose Berichterstattung unter Druck gesetzt. Von Blogger-Burnout war j?ngst bei ?Wired News? gar die Rede. Kein Wunder, zerbrechen sich immer mehr Weblog-Verfasser den Kopf darÜber, wie sie für ihre meist nebenberufliche T?tigkeit entsch?digt werden könnten. Recht verbreitet sind in diesem Zusammenhang die Buttons der Ebay-Tochter PayPal, über die die Leser zu einer Spende an den Weblog-Betreiber aufgerufen werden. Zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat es im vergangenen Jahr der Journalist Christopher Allbritton, als er sich seine unabh?ngige Kriegsberichterstattung auf seinem Weblog ?Back to Iraq? erfolgreich durch Spenden finanzieren liess. Der Star unter den ?Bettel-Bloggern? ist - neben Howard Dean - aber ganz klar Andrew Sullivan. Nahezu 80 000 Dollar brachte der Journalist gemässMedienberichten im Jahr 2002 mit einem Spendenaufruf für seinen vor allem eine konservative Klientel bedienenden und mit monatlich mehr als einer Million Besuchern überaus popul?ren Blog ?andrewsullivan.com? zusammen. Der Mehrzahl der Blogger erm?glichen Spendengelder aber wohl höchstens den monatlichen Verzehr einer Bratwurst. ähnliches d?rfte für das auf den Online-Journalen ebenfalls recht h?ufig anzutreffende Amazon-Partnerprogramm gelten, das den Vermittler einer Transaktion - etwa über einen Link von einer Buchrezension aus - mit einer Provision von maximal 7,5 Prozent des Kaufpreises entsch?digt. Man kann sich leicht ausrechnen, wie viele Verk?ufe erforderlich sind, um auf einen nennenswerten Betrag zu kommen. Nach Auskunft von J. D. Lasica, Spezialist für Online-Journalismus und neue Medien, hat sich das Kommissionsmodell zumindest für seinen Weblog ?New Media Musings?, der es immerhin auf 2000 bis 3000 Leser pro Tag bringt, nicht gerechnet. Relativ ansehnliche Werbeeinnahmen Als lukrativer erweist sich für Lasica die herk?mmliche Online-Werbung, die dem freien Journalisten nach eigenen Angaben immerhin mehr als 500 Dollar pro Monat einbringt. Die Akquisition der Werbebanner und -buttons überl?sst Lasica dabei dem vor zwei Jahren gegr?ndeten Anzeigenvermittler BlogAds, der die Werbefl?chen von zurzeit rund 500 überwiegend in den USA beheimateten Weblogs vermarktet. Und das auf einer 20-prozentigen Kommission basierende Geschäftsmodell von BlogAds scheint sich zu bew?hren. Nach Auskunft von Henry Copeland, CEO des Unternehmens, hat die Firma im zweiten Quartal des laufenden Jahres die Gewinnschwelle erreicht. Für den Monat Juli k?nne man gar einen gegenÜber Januar 2004 verzehnfachten Umsatz ausweisen. Der Blogging-Boom schl?gt sich mittlerweile auch in den Anzeigenpreisen nieder. Während vor Jahresfrist etwa auf dem liberalen Weblog ?Eschaton? der teuerste Werbeplatz noch für eine Jahresgeb?hr von 900 Dollar zu haben war, entspricht dieser Preis gemässCopeland derzeit einer Monatsbelegung. Der konservative Blogger Greg Reynolds heischt für den ?Premium slot? auf seinem eblog ?Instapundit.com? monatlich gar 3000 Dollar - ein nettes Nebeneinkommen für den hauptberuflichen Rechtsprofessor! Auf gut 10 000 Dollar habe sich der bisher grüsste, auf einen einzelnen Blogger ausgestellte Monatscheck belaufen, erkl?rt Copeland. ÖViele Blogs machen aber nur 100 Dollar pro Monat und sind sehr zufrieden damit?, so der BlogAds-CEO weiter. Aber auch mit Fach-Blogs lassen sich erkleckliche Betr?ge erwirtschaften. Auf Anfrage beziffert etwa Steve Hall, Betreiber des sich mit der Marketing- und Werbebranche befassenden Blogs ?AdRants?, seinen derzeitigen Blogging-Umsatz mit 4000 bis 6000 Dollar pro Monat. Und gar vom Bloggen leben kann der britische Journalist Rafat Ali, der mit seinem Beblog ?PaidContent.org? im vergangenen Jahr rund 80 000 Dollar erwirtschaftete. Zum erwarteten Ergebnis fürs laufende Jahr wollte Ali gegenÜber der NZZ nicht mehr sagen, als dass es sich im sechsstelligen Dollarbereich bewegen d?rfte. Die Beispiele zeigen, dass sich gerade Branchen- oder Fachblogs besonders gut als Werbetr?ger eignen, lassen sich mit ihnen doch eng definierte, an spezifischen Themen oder Wirtschaftszweigen interessierte Publika erreichen. Keine noch so exotische Zielgruppe, für die sich nicht ein Weblog finden liesse. Mit inhaltsbezogenen Textanzeigen versucht dies auch das AdSense- Programm von Google auszun?tzen, das inzwischen auf vielen Weblogs anzutreffen ist. Wie viel sich mit den Klick-abh?ngigen Kommissionen verdienen lässt, ist indes nur schwer zu eruieren, untersagt es Google doch den AdSense-Teilnehmern, Zahlen bekannt zu geben. Nano-Verleger Mit Nick Denton und Jason Calacanis basteln inzwischen auch zwei Protagonisten aus den Boomzeiten des Internets an Weblog-Geschäftsmodellen herum. Denton, Mitbegr?nder des News-Aggregators Moreover.com und der einstigen Internet-Ideenb?rse First Tuesday, betreibt unter dem Dach seiner Firma Gawker Media fünf Weblogs, die sich die neuesten Gadgets, Szeneklatsch aus New York, Washington DC und Los Angeles sowie die Welt der Pornografie zum Thema machen. Mit den Angeboten peilt Denton nicht zuletzt die von der Werbeindustrie anvisierte Gruppe der 18- bis 34-J?hrigen an, die über die herk?mmlichen Medien immer schwerer zu erreichen sind. Für die Betreuung der Online- Journale besch?ftigt Denton meist junge, talentierte Blogger, die er gemässMedienberichten mit einem monatlichen Fixum von 1500 bis 2000 Dollar entsch?digt - nicht gerade viel, wenn man bedenkt, dass es etwa der Gadget-Weblog ?Gizmodo? inzwischen auf mehr als 50 000 Besucher pro Tag bringt. Mit dem lakonischen Hinweis auf sein Recht auf Ferien lehnte Denton eine Stellungnahme zu diesen Zahlen ab. Wie Nick Denton versucht auch Jason Calacanis, einst Herausgeber der inzwischen eingegangenen New-Economy-Zeitschrift ?Silicon Alley Reporter?, mit Weblogs Geld zu verdienen. Mit seiner Firma Weblogs Inc. unterh?lt Calacanis ein Netzwerk von unabh?ngigen Online-Journalen, das für die beteiligten Blogger die technische Infrastruktur betreut und die klassischen Verlagsaufgaben (Marketing und Anzeigenverkauf) übernimmt. Anders als Gawker Media beteiligt Weblogs Inc. die Autoren jedoch mit 50 Prozent am Erfolg ihrer jeweiligen Weblogs. Rund 50 Blogs sind derzeit Teil des Netzwerks - eine Zahl, die sich nach Auskunft von Calacanis bis Ende Jahr auf 100 erh?hen soll. Der Kleinverleger ist überzeugt, dass sich der Umsatz seines Unternehmens dannzumal auf 100 000 bis 200 000 Dollar pro Monat belaufen wird. Bis 10 000 Dollar Monatsumsatz würden einige der beteiligten Weblogs n?mlich bereits heute generieren. Mit einem ähnlichen Modell wie Weblogs Inc. versucht in Europe die Firma Creative Weblogging Fuss zu fassen. Weblogs als Sprungbrett Die ?Nano-Verleger? Denton und Calacanis liefern sich über ihre pers?nlichen Weblogs mitunter recht heftige Wortgefechte, insbesondere seit Weblogs Inc. im März dieses Jahres den Macher des Gadget-Blogs von Gawker Media abgeworben hat. Weblogs bieten somit offensichtlich auch indirekte finanzielle Anreize, indem sie n?mlich den Autoren als Plattform zur Selbstprofilierung dienen. So ist der Student Brian Stelter vor wenigen Wochen durch den Verkauf seines Branchen-Blogs ?CableNewser.com? an die Journalistenb?rse ?Mediabistro? zu etwas Geld und einem Job gekommen. Einer Bloggerin von Gawker Media gelang es kürzlich, als Journalistin beim ?New York Magazine? unterzukommen. Dem ?Blogger von Bagdad? brachten seine Aufzeichnungen gar einen Buchvertrag ein. Und der kalifornische Anwalt J. Craig Williams bestätigt die von der ?New York Times? kolportierte Aussage, wonach er dank seinem Weblog ?May It Please The Court? für seine Anwaltskanzlei zus?tzliche Auftr?ge in Höhe von mehreren hunderttausend Dollar generiert habe. Martin Hitz



Ergänzungen nach dem ersten Posting:
19.03.2011: Feldinhalte an EE2.x angepasst



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von Urs, am 25.09.04 um 17:38
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Den Original-Artikel finden Sie auf NZZ Online unter:
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