Freitag, 13. Juli 2007
Der Mann mit den drei Stimmen
Da sitze ich am Morgen im Zug und bl?ttere in der NZZ als der Zug in Baden hält. "Ist der Platz noch frei", t?nt es von weit oben herab. "Ja, klar". Das h?rt der Mann aber schon nicht mehr, denn er sitzt bereits und hat seinen Stoss Zeitungen ausgebreitet.Noch bevor der Zug abf?hrt, schon der Griff zum Handy, ein paar Tasten dr?cken und es l?utet bereits irgendwo. Der Gespr?chston ziemlich forsch, ob alles rund laufe, ob nichts anbrenne, er k?me etwa fünf Minuten später. Dann noch irgend welches Gerede über den gestern entdeckten Skandal und dass das allerhand sei und noch Konsequenzen für den einen oder anderen haben werde.
Spätestens ab jetzt habe ich mitgehorcht. Der Herr muss ja wohl ein ganz wichtiger sein. Nur; seine Kleidung, überhaupt sein ganzes ?usseres passte überhaupt nicht zu dem Gespr?ch. Er sah eher übern?chtigt aus, zerknittertes Hemd, kein Aktenkoffer, schien mir direkt aus dem Bett zu kommen. Aber heute ist ja Freitag und da trägt die Teppichetage manchmal merkw?rdige Kleidung. "Casual day", "Casual Friday" sagen die dem, aber so Extrem ist jetzt schon etwas merkw?rdig. Der Zug saust gerade in Killwangen-Spreitenbach vorbei, das Gespr?ch scheint beendet zu sein. Der Herr sitzt in Fahrtrichtung zur Sonne. Seine Augen scheinen bei dem heutigen grellen Sonnenlicht zu schmerzen.
Der nächste Anruf: die Stimme diesmal eher passend zum Aussehen, l?ssig, nur der Kaugummi im Mund fehlt noch. Irgendwelches Gefasel über Devisenkurse und den Dow Jones Index, nichts Konkretes, ausgedehnte langatmige ... eeehhhhmmmmmsss ... dazwischen, mehrmaliges Nachfragen "bisch no do?", von der anderen Seite h?rt man kein Wort. Ich frage mich, ob der überhaupt mit jemandem telefoniert oder doch nur Selbstgespr?che f?hrt. Blättert dazu langweilig in der gestrigen "heute..." - Zeitung. Ob er das wohl merkt? Altstetten ist vorbei. Der Zug rumpelt bereits über die fast unz?hligen Weichen des Vorbahnhofes von Zürich. Die dritte Nummer wird gew?hlt.
Diesmal die Stimme zuckers?ss: "M?uschen, es ist Zeit zum Aufstehen", noch ein bisschen hin- und her-Geschwafel und dann "jetzt aber use, hopp".
Der Zug hält. Was ich von der NZZ heute mitbekommen habe? Beim Bilderr?tsel der NZZ Domizil - Beilage war heute das ehemalige Kloster St. Urban im Kanton Luzern abgebildet.
in Zwischen Brugg und Zürich •
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