Für einen Teil meines Arbeitsweges fahre ich jeweils mit dem st?dtischen Tram (sofern ich nicht mit dem Rad unterwegs bin). Oftmals ist das eine ziemlich einschl?fernde Angelegenheit, zumal man seit Jahren die gleiche Strecke, etwa zur gleichen Zeit und in der N?he des Arbeitsortes erst noch etwa mit den gleichen G?sten zurücklegt. Man entwickelt über all die Jahre ein bestimmtes Gefühl über gut und schlecht, oder eben über langsam, schnell und zu schnell.
Heute Abend ging das schon vor der Haltestelle los. Irgend eine Mutter mit ihrem Offroader voll von Kindern, steht auf den Schienen für ein Linksabbiegeman?ver. Die Strecke ist Übersichtlich aber leicht absch?ssig. Die Schiene ist trocken und wie man später feststellen kann auch mit einer guten Traktion. Das Tram nähert sich von oben. ER muss das Auto gesehen haben, beginnt jedenfalls schon früh zu l?uten. Die Frau hat vorerst keine Chance, vor ihr der Gegenverkehr, hinter ihr die nachfolgenden Autos. Dann das entscheidende Loch im Gegenverkehr. Der Offroader quitscht davon und erst jetzt bremst das Tram voll ab. Es stiebt und stinkt nach heissem Metall.
Beim Einsteigen überlege ich mir noch einen kurzen Moment, ob ich vielleicht doch die S-Bahn etwas weiter vorne nehmen soll. Ach was, kann immer wieder vorkommen.... Die Abfahrt aus der Tramhaltestelle erfolgt wie an einem Start zu einem Rundenrennen. Klar, die Strecke ist immer noch leicht absch?ssig, geht aber sofort über Weichen und durch eine Kurve. Vor der nächsten Haltestelle müssen alle Trams in der Regel anhalten oder mindestens leicht verz?gern. Möglicherweise wegen der Grün- und Rotphasen bei den Autos. Nicht so heute Abend: Den Hang runterlaufen lassen, scheinbar ungebremst, l?uten wie ein Wilder, kurz und heftig auf die Bremse treten und in die Haltestellen ausrollen lassen. War zu weit hinten um genauer zu sehen was vorne los war...
Diese Fahrerei spielte sich noch zweimal so ab, eben so lange, bis andere Tramlinien dazukommen und sich unser Tram zwischen den anderen einreihen muss. Ich glaube, wenn das Tram nicht auf Schienen angewiesen w?re, der Tr?mler hätte sonst noch überholt.
Wenn ein Tramchauffeur jetzt schon mit seinen Nerven so am Ende ist (und das ist es doch, vermute ich), wie wird es dann wohl w?hrend der EM aussehen?
In der Fahrschule lernt man vorausschauendes Fahren. Aber f?r Trams gelten andere Regeln.
Ich fordere 4-Punkt-Gurten f?r die Passagiere. Und Airbags. Und die Abschaffung der Stehpl?tze im Tram. Das ist billiger als die “Umerziehung” der Tr?mler. Und funktioniert.
Remo