Freitag, 15. August 2008
Der Regen
Vielleicht würde "der Wolkenbruch" die Situation besser wiedergeben. Nach einer regnerischen Nacht, regnete es mittleirweile schon den ganzen Tag. Mal etwas weniger, mal etwas mehr. Meist etwas mehr. Man hatte schon lange aufgeh?rt zu hoffen, dass es ein normaler Landregen sein könnte. Es ist einer jener Regen, wie sie in den letzten Jahren gegen Ende des Sommers, meist schon im August, daherkommen. Ein solcher Regen, wie er eben heute auf uns niederprasselte.Es war Zeit, die Arbeit im Geschäft abzuschliessen und nach Hause zu gehen. In meinem Falle eben zuerst mal zur Tramstation. Als ich unter heftig prasselndem Regen bei der Haltestalle eintraf, sah ich das Tram gerade abfahren. Das macht aber nichts, denn in spätestens sechs oder sieben Minuten, kommt das nächste. Die Haltestelle ist an einer leicht absch?ssigen Stelle und hat sogar einen kleinen Unterstand mit einer Glaswand im R?cken und einem Glasdach. Es steht zudem zur Strasse etwas zurückversetzt zwischen Kastanienb?umen. Da stellte ich mich zun?chst mal darunter. Regenschirm zugeklappt.
Langsam wurde es eng. Immer mehr Leute dr?ngelten sich mit ihren zugeklappten Regenschirmen unter das Dach und an die R?ckwand. Da ich einer der ersten war, stand ich zuhinterst, eben mit dem R?cken an der Glaswand. Vorne auf der leicht absch?ssigen Strasse, fuhren die Autos, nicht viel schneller als Schritttempo vorbei und pressten mit ihren Pneus in einer Art Bugwelle das Wasser aus der Fahrrille. Das Spritzen erreichte nur knapp die vordersten wartenden k?nftigen Trampassagiere nicht. Diese dr?ngelten deshalb auch nach hinten an die Glaswand.
Nach und nach merkte ich, dass ich nasse Schuhe bekam. Von irgendwo her schien das Wasser direkt in meine Schuhe zu laufen. Es gelang mir in dem Gedr?nge, eben doch einen Blick auf den Boden, an die R?ckwand zu werfen. Ein kleiner Fluch entwich meinen Lippen. Die Wand h?rte vielleicht fünf Zentimeter über dem Boden auf. Der Regen prasselte hinter der Wand auf den Boden. Die Regentropfen machten kleine H?pfer, unter der Wand hindurch an und in meine Schuhe. Dazu kam noch das Wasser vom Glasdach, das ebenfalls der Glaswand nach auf den Boden str?mte und zus?tzlich für Spritzer sorgte. Ich dr?ngelte etwas nach vorne. Nur zwei oder drei Zentimeter. Das half schon.
Da nahte auch schon die Erlösung. Das blaufarbene Tram kam von oben den Berg herunter, allerdings kaum sichtbar hinter dem grossen Lastwagen. Der erste seit der Abfahrt des letzten Trams. Vorne werden von den k?nftigen Trampassagieren die Regenschirme aufgespannt. Man wagt sich unter dem Glasdach hervor, einen Schritt nur, höchstens zwei, gegen die Kante des Trottoirs / Gehsteigs hin.
Die einen schienen es zu ahnen, wollten einen Schritt r?ckw?rts machen. Zu spät: Der Lastwagen, mit seinen grossen und vor allem breiten R?dern, r?umte, auch im Schritttempo, die Fahrrille gründlich aus. Gründlicher als alle PW's zuvor. Die Wasserfontaine war m?chtig, mindestens kniehoch....
Und so kam es, dass wir fast alle etwas zus?tzliches mit auf den Weg bekommen haben. Den einen wurden die Schuhe von hinten gefällt und den anderen von vorne.
in Zwischen Brugg und Zürich •
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