Zur Abwechslung ging es heute wieder einmal an das südliche Ende der Stadt zur Arbeit. Bei einem meiner letzten Berichte zu dieser Strecke, habe ich ja davon geschrieben, dass zwar der Radweg vorerst zu Ende sei, der Weg zur Arbeit aber noch nicht. Im Gegenteil, ich hätte da so eine Art Autobahn für das Rennvelo zu befahren.
Vor noch nicht allzulanger Zeit, als nämlich die Westumfahrung um Zürich noch nicht in Betrieb war, zwängte sich hier der ganze Verkehr durch. Die Strasse wurde deshalb auch auf zwei mal zwei Spuren erweitert. Jetzt mit der Westumfahrung von Zürich, ist hier natürlich viel Platz geblieben. So viel Platz, dass auf mehreren Kilometern Länge, jeweils die rechte Spur für Rechtsabbieger und den Linienbus reserviert ist, während sich der Rest des Verkehrs mit der linken Hälfte der Fahrbahn begnügen darf.
Für den Velofahrer vielleicht eine heikle Situation. Fährt man rechts auf der rechten Spur, riskiert man alle paar hundert Meter, von irgend einem rechtsabbiegenden Autofahrer abgeschossen zu werden. Damit mir das nicht (mehr) passiert, habe ich mich entschlossen, am linken Rand der rechten Spur zu fahren. Da dürfte ich für den Verkehr, selbst für Lastwagen, eigentlich kein Problem sein. Rechtsabbieger sehen das Hindernis Velofahrer früh genug. Für Linienbusse dürfte ich eigentlich auch kein Problem darstellen, denn die kommen über alles gesehen mit ihrem Fahrplan zwischen den Halteboxen sowieso nicht so schnell vorwärts wie ich auf dem Renner.
Da der Strassenabschnitt zudem vor etwa einem Jahr komplett renoviert und vor allem auch mit einem neuen, feinen Belag versehen wurde, geben diese paar Kilometer die Möglichkeit, mal ein grösseres Stück ohne Schachtdeckel, Bodenwellen und sonstigen Unebenheiten, dahinzukurbeln.
Mit knapp 10 Grad am Morgen früh, war das ein ziemlich kühler Start in den neuen Monat hinein. Im Reusstal bei Gebenstorf und im Limmattal zwischen dem Wasserschloss und Baden, lag der Nebel ganz dick und tief, fast so als habe ihn jemand absichtlich dorthinein gedrückt. Auch ganz oben, an der Lägern oder über Hüttikon, hing der Nebel wie angeklebt am Berg. Doch dazwischen und vor allem auf der Strasse, klare Sicht bis zum Himmel.
Ich war gerade daran ins Furttal abzubiegen, als das GPS den astronomischen Sonnenaufgang meldete. Nur wenig später, begann sich der Himmel rötlich zu färben, ein Sonnenaufgang fast wie im Bilderbuch lief direkt vor meinen Augen ab. Der grosse Nachteil halt um diese Zeit: da der Arbeitsweg gegen Osten führt, fahre ich jetzt ein paar Mal direkt in das Gegenlicht hinein. Aber schön ist es trotzdem, in den erwachenden Tag hinein zu fahren.
Auf den letzten paar Metern vor dem Velounterstand beim Arbeitgeber war dann die Sicht sogar so gut, dass man am Horizont sogar noch den verschneiten Alpenkamm erkennen konnte.
Man spürt langsam den Herbst näher kommen. Am Morgen früh, wenn die Sonne noch nicht aufgegangen ist, die Nebelschleier in den Tälern oder auf den Feldern liegen, die Temperatur zwar noch warm aber die Luft mit viel Feuchtigkeit angereichert ist, dann wird es langsam Zeit, sich Gedanken über Armlinge und Beinlinge zu machen.
Wegen der hohen Wolken und der Nebelbänke, gab es auch heute Morgen keinen Sonnenaufgang zu beobachten. Ein violetter, wässriger Dunst, fast wie auf einem Aquarellbild, der sich über Orange langsam ins Gelbliche veränderte, bevor wieder das normale Grau der Wolken und Nebel zurückblieb. Ein morgendliches Schauspiel über dem Furtal.
Gemäss der Wetterprognose hätte es am Morgen eigentlich ein Loch zwischen den Regenschauern haben müssen. Das Niederschlagsradar zeigte auf meinem Google Magic auch die nächste Wetterfront etwa im Grossraum Biel / Neuenburg an. In Richtung Zürich war der Himmel sogar etwas heller. Also eigentlich kein Problem für eine weitere Fahrt mit dem Renner zur Arbeit, zumal die Strassen nach den Schauern der letzten Nacht grösstenteils schon wieder trocken waren.
Die Überraschung war deshalb um so grösser, als der Himmel nach Baden immer dunkler wurde. Bei der Einfahrt ins Furttal fielen dann die ersten Regentropfen. Schön langsam, wurden aus den ersten paar, ein paar weitere, dann noch mehr, bis ich endlich einsehen musste, dass wieder eine Regenfahrt angesagt war. 15 Kilometer vielleicht, litermässig nichts besonders schlimmes, dennoch wird man halt nass und sandig.
Nachdem der Plattfuss geflickt ist und der Termin beim Zahnarzt überstanden, konnte ich heute wieder in aller Ruhe mit dem Renner zur Arbeit fahren. Wegen ziemlich viel Gewölk am Himmel, konnte man keinen richtigen Sonnenaufgang beobachten. Es waren eher Schlitze in den Wolken, bei denen die Sonnenstrahlen in geblich-roter Farbe durchdringen konnten. Das Schauspiel dauerte allerdings nicht so lange, weil die Wolkendecke langsam immer dichter wurde. Regen viel allerdings keiner und als ich aus der Dusche kam, schien draussen sogar schon wieder die Sonne.
Es war noch trüb und mit 14 Grad auch ziemlich kühl. Seit ein paar Fahrten trage ich am Morgen nun schon das gelbe Jäckchen. Nicht, dass es besonders warm gäbe, aber gegen den kühlenden Fahrtwind gerade ein genügender Schutz. Auf die Knielinge habe ich bis heute noch verzichtet, aber auch hier dürfte es sich nur noch um Tage handeln, bis ich die wieder überziehe.
Zudem meldete das GPS heute Morgen zum ersten Mal seit dem längsten Tag in diesem Jahr, dass ich astronomisch gesehen in der Nacht abgefahren bin. Der astronomische Sonnenaufgang fand heute morgen (GPS-berechnet) erst um 06:09 statt. Zeit also, die Nachtausrüstung wieder bereit zu legen und die Akkus des Front- und Rücklichtes aufzufüllen.
Als besonderes Ereignisse hatte ich heute Morgen wieder einmal eine Begegnung mit einem Fischreiher. Kurz nach Würenlos, am Eingang ins Furttal, stand er auf einem abgemähten Kornfeld mitten in den Stoppeln und mitten in einer Schar von Krähen. Er stand fast zum Greifen nahe am Radweg, kaum 10 Meter entfernt. Ich habe es mittlerweile aufgegeben, anzuhalten und diese Vögel fotographieren zu wollen. Das funktionierte noch nie. Der rollende Verkehr scheint ihnen nichts auszumachen, aber sobald man anhält, fliegen sie davon.
Heute Morgen konnte ich bei der Hinfahrt zur Arbeit einem merkwürdigen Schauspiel von Sonne und Nebel zuschauen. Die Nebeldecke über dem Hertenstein und der Lägern hing genau so hoch, dass das Höhtal, der Einschnitt zwischen diesen beiden Bergen noch unter dem Nebel lag. Die aufgehende Sonne, oder wenigstens die ersten Sonnenstrahlen, schienen genau durch dieses Loch zwischen der "Passhöhe" Höhtal und der Nebeldecke hindurch. Von Baden ausgesehen, erschien der Nebel in einem rot-gelben Licht, etwa so wie bengalisches Feuer.
Als ich dann weiter vorne bei Würenlos in das Furttal einbog, war das Schauspiel leider vorbei. Die Nebeldecke hatte sich in kompakter Dichte bis an den Horizont ausgebreitet. Zudem war sie so dick, dass vorerst kein Sonnenstrahl eine Chance hatte, diese zu durchbohren.
Ich setzte gerade die Tasse zum letzten Schluck Morgenkaffee an, als das mittlerweile wohlbekannte Geräusch von zerplatzenden Regentropfen auf dem Dach des Velounterstandes an mein Ohr drang. Ich mochte nicht mehr überlegen ob ich fahren soll oder nicht. Zu stark hatte sich mein Kopf in den letzten Tagen daran festgekrallt, einen ganzen Monat lang, oder eben 20 Mal in einer lückenlosen Serie von Arbeitswegen, auch heute noch zu fahren. Bis ich die Regenkleider übergezogen hatte, liess auch der Regen schon wieder nach, das Gröbste schien vorüber zu sein, scheinbar.
Es war in Baden. Das Lichtsignal der Ampel wechselte eben von Grün auf Gelb als ich noch schnell über den Strich huschte. Es blitzte. Ich dachte noch: "diese Anlage ist aber schön knapp eingestellt", als bereits ein gewaltiger Donner vom Himmel krachte. Was anschliessend folgte, war eine 25 Kilometer lange Fahrt, in einem anhaltenden Wolkenbruch. Tief hingen die Wolken, Nebel stieg aus den Wäldern auf, schwarz war der Himmel. Haben eigentlich auch schon an anderen Tagen die Strassenbeleuchtungen noch um diese Zeit gebrannt?
Das Donnern des nahen Gewitters rollte heute morgen nur kurz vor dem Weckerläuten durch das Schlafzimmer. Passend dazu das laute Prasseln des Regens auf der Strasse. Soll ich, oder soll ich doch gescheiter nicht? Mit dem Renner zur Arbeit fahren?
Der Regen liess bald nach, so dass ich nur mit wenig Verzögerung eben doch mit dem Renner den Arbeitsweg zurücklegte. Die Strassen waren natürlich wieder alle ganz nass. Deshalb schützte ich mich mit den Regenkleidern und den Schuhüberzügen. Etwa um den 25. Kilometer, also kurz bevor ich das heutige Foto schiessen wollte, begann es abermals zu regnen, nicht so heftig, aber halt wieder mehr Nässe auch von oben
Solche langen, Doppelgelenkbusse, wie ich heute einen auf dem Foto erwischt habe, werden von den Verkehrsbetrieben unter anderem ab hier bis nach Zürich eingesetzt. So ein Taztelwurm ist immerhin 24 Meter lang. Wird man als Velofahrer von so einem Bus überholt, meint man, das höre ja nie mehr auf. Die blaue Wand wird immer länger und länger.Doch die vielen Leute, die da jeweils an den Haltestellen ein- und aussteigen wollen, brauchen ja auch so ihre Zeit. Womit der Bus dann im Schnitt deutlich langsamer wird als ein Radrennfahrer auf dem Arbeitsweg.
Am Morgen werde ich von einem schönen Morgenrot begrüsst. Doch es dauert nun mittlerweile tatsächlich bis nach Baden, also bereits eine gute Viertelstunde Fahrt, bis die Sonne endlich hinter den Hügeln hervor kommt. Doch ab dann kommt irgendwie Ferienstimmung auf. Der noch kühle Morgen, der Duft von nassem Gras, Krähen die in den Stoppelfeldern der abgemähten Kornfelder ihre Nahrung zusammensuchen, ab und zu ein todesmutiger Spatz der noch rasch vor meinem Rad durchfliegt, nur um dann beinahe am herannahenden Auto doch noch den Kopf einzuschlagen.
Weil ich heute wieder den Arbeitsplatz am Südende der Stadt aufsuchte, entstand auch das Foto am Morgen. Hier mag zwar der Radweg fertig sein, doch was nachher folgt ist für den Radrennfahrer die reinste Autobahn. Doch davon später mehr.