Ein bisschen Statistik zu meiner Österreich-Rundfahrt
Nicht nur Wäsche, auch Erinnerungen bleiben nach einer solchen Fahrt hängen. Vieles habe ich hier in den täglichen Postings festgehalten, einiges habe ich versucht spontan während der Fahrt zu übermitteln. Als Zusammenfassung, als kunterbuntes Durcheinander von Zahlen und Werten, möchte ich dennoch diese Aufstellung mit ein paar Gedanken niederschreiben:
Zum letzten Mal Aufstehen, Morgenessen und Auschecken. Alles ist längst Routine geworden. Alleine das Angebot am Zmorgebuffet ändert sich. Heute waren die weissen Brotsorten gegenüber den Vollkorn- und bräunlichen Brotsorten klar in der Überzahl. Der Kaffee war dafür wohl einer der stärksten, den ich in den letzten Tagen zum Morgenessen bekommen habe.
Nicht so ritual läuft heute das Bepacken meines Anhängers ab. Ich stehe nämlich abfahrtbereit da, als es zu regnen beginnt. Der Himmel sieht zwar nicht so schlecht aus, es wird vielleicht nur ein kleiner Schauer. Doch nach mehreren Minuten Wartezeit, ziehe ich mir dann doch das Regenjäckchen über.
Vom Hotel geht es ein Stück ins Dorf hinunter, den nächsten Hügel wieder hinauf. Die Strasse ist jetzt klatschnass, aber es hat aufgehört zu regnen. Ich kann jetzt wählen: soll ich vom eigenen Kondenswasser in der Jacke nass werden, oder soll ich mich von der Strasse bespritzen lassen? Ich entscheide mich für die zweite Variante. Die Kleider haben ja anschliessend noch lange Zeit, wieder abzutrocknen.
Am Morgen hingen zwar noch ein paar Nebelschwaden über den Wäldern und an den Berghängen. Doch bis ich das Morgenessen eingenommen und ausgeschecked hatte, war der Himmel praktisch wolkenlos. Noch etwas kühl die Luft, aber wenigstens weit und breit keine Spur von Regen.
Der Anfang der Strecke war einfach. Alles das Tal runter, dann nach vorne in Richtung Feldkirch und Schweizer Grenze. Nach über 40 Kilometern, fast ohne nennenswerte Steigung, wurde es langsam Zeit, sich einen Hügel unter die Räder zu stellen.
Ich nahm den Weg nach Wildhaus hinauf. Ich fühlte mich gut. Vermutlich habe ich trotz allem auch ein bisschen Training in den letzten Tagen aufgebaut. Nicht, dass ich in der Mittagshitze keinen Schweisstropfen für die etwa 600 Meter Höhenunterschied verloren hätte, aber "der Kopf" mindestens glaubte, noch nicht an die Leistungsgrenze gestossen zu sein. Erst recht nicht, als es mir gelang, eine 4er-Gruppe von Mountainbikern mit Gepäck, zu überholen. Ich war in Wildhaus schon längst beim Mittagessen, als diese Vierergruppe auch eintraf. (Ich weiss ja allerdings nicht, wie viele Fotohalte, oder andere kuluturelle Pausen, die eingeschaltet hatten.)
Gestern Abend zeigte mein Android noch Schneeregen und vereisender Regen an. Nach einer Nacht ohne Regen, war das nur noch halb so schlimm. Was allerdings blieb, war die Kälte.
Das Hotel war ja voller Mountainbiker. Wie sich herausstellte, war mindestens die eine Gruppe auf dem Weg an den Gardasee. Man müsse heute über einen 3000-Meter hohen Pass, auf dem 90 cm Schnee liegen, war da zu hören. Harte Kerle, diese Mountainbiker.
Ich selber zog mir nach dem ausgiebigen Radlerfrühstück die Thermokleider über und hatte überhaupt keine Lust mit dem Renner weder über Eis noch Schnee zu rutschen. Ich verzichtete auf die beiden Gletscherstrassen bei Sölden und ins Kaunertal.
Mein Weg führte weiter auf dem Inntaler Radweg hinauf bis nach Landeck.
Auf dem Inntaler Radweg herrschte, wie gestern auch schon, Hochbetrieb. Ganze Gruppen von Mountainbikern, irgendwelche organisierten Ausflugsgesellschaften, Familien und Einzelfahrer waren in beiden Richtungen unterwegs. Scheint wirklich ein berühmter Weg zu sein. Und ich finde, über weite Strecken ist er auch sehr schön angelegt, gepflegt und unterhalten.
Wie üblich, plätscherte auch diese Nacht der Regen auf den Vorplatz meines Zimmers in Trens. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass er auch noch während des Morgenessens auf das Dach des Wintergartens weiter plätscherte. Das ganze Tal, jedenfalls sicherlich bis Sterzing/Vipiteno machte einen ganz düsteren Eindruck heute Morgen.
Das Morgenessen liess auch heute keine Wünsche offen. Ein Thermoskrug mit mindestens einem halbem Liter Kaffe stand bereit. So ziemlich die ganze Palette von Brot, Müesli, Flocken, Kuchen und Früchte, sowie Jus in diversen Farben und Duftnoten ebenfalls.
Ich liess mir Zeit beim Essen, denn das Wetter hätte nur besser werden können. Doch daraus wurde nichts. Irgendeinmal sass ich dann doch in voller Regenmontur auf dem Renner und machte mich auf in Richtung Brennerpass.
Leider haben heute Morgen alle Prognosen zugetroffen. Der Nebel hing dicht in den Tälern, in Lienz Nieselregen und kühl. Die halbe Nacht hindurch trommelte der Regen auf den metallenen Fensterbank meines Zimmers.
Leider musste ich unter diesen Umständen auch auf den zweiten Versuch, den Grossglockner zu befahren, verzichten. Richtig schwer fiel es mir auch, auf den Staller Sattel zu verzichten. Der ist zwar etwa 700 Meter weniger hoch als der Grossglockner, aber auch hier schienen die Wetteraussichten mehr als betrüblich zu sein. Ich möchte, wenn immer möglich, keine 2000er-Pässe überfahren, nur damit sie abgehakt werden können. Mindestens sehen, wo ich durchgefahren bin, möchte ich schon noch.
So entschloss ich mich halt, weiterhin auf der B100, im Drautal, weiterzukurbeln. Ab und zu ein paar Meter Radweg. Nach Lienz geht es vorerst durch eine recht schmale Schlucht, dauernd etwas ansteigend. Ein paar Wellen bei etwa 1200 Meter über Meer markieren nach der Landesgrenze Österreich/Italien, dass man ins Tal der Rienza gelangt ist. Das Südtirol emfpängt mich mit etwas besserem Wetter.
Der Morgen zeigte sich mit einem strahlend blauen Himmel. Wohl hingen über den Wäldern noch letzte Nebelfetzen des gestrigen Regens, doch das schien eher eine Zier, als ernstzunehmende Bewölkung zu sein.
Das Morgenessen liess heute in diesem Garni-Hotel keine Wünsche aus. Der Hotelier gab mir noch gute Tips für die Fahrt nach Lienz mit. Recht hatte er eigentlich schon. Ich hätte entlang dem Millstättersee fahren können und anschliessend alles im Drautal bis fast nach Lienz. Kaum Höhenmeter, aber dafür, wie mir scheint, jede Menge Bundesstrassen.
Ich blieb bei meiner Variante, nach dem See etwas südlich herum zu fahren und den Kreuzbergsattel anzusteuern. Was ich bei der Planung nicht so wirklich gesehen habe, ist das ständige Auf und Ab. Glücklicherweise kam ich von Osten. Da waren die Anstiege meist nur mit 15% markiert, während die Abfahrten in der Regel 18% markiert waren.
Das Trommeln auf dem Dachfenster wurde in der Frühe des Morgens von Sonnenstrahlen abgelöst. Einpacken, Morgenessen und auschecken waren bald erledigt, die Fahrt konnte wieder weitergehen.
Geplant hatte ich über den letzten Hügel zu fahren und dann von Osten nach Innerkrems hinunter zu gelangen. Innerkrems ist der Ausgangsort für die Nockalmstrasse.
Daraus wurde leider nichts. Vermutlich die Regentage der letzten Zeit hatten einen Erdrutsch ausgelöst. Jedenfalls war die Strasse gesperrt. So musste ich mir den Weg über die Katschberghöhe suchen. Doch welch ein Krampf. Die 15%-Tafel am untersten Ende war ein richtiger morgendlicher Aufschrecker. Ich fragte mich immer wieder, wie das nachher weitergehen könnte, denn schliesslich waren gut 500 Höhenmeter zu bezwingen und die verbleibenden Kilometer waren auch nicht mehr viele. Nach einem flacheren Stück steht die zweite 15% Tafel. Das war die Lösung.
Doch anschliessend ging es auch wieder 15% hinunter, nach Brücke Krems. 15%, wenn man oben steht, und der Anhänger schiebt, sind ganz schön steil. Das nur nebenbei bemerkt. Da der grösste Teil der Strecke durch ziemlich dichten Wald ging, habe ich von der Umgebung nicht wirklich viel mitgekommen. Katschberghöhe ist ein Winterort.
In Brücke Krems geht es um eine Häuserecke links weg. Hätte mein GPS nicht frühzeitig die Richtung gezeigt, ich wäre wahrscheinlich daran vorbei gesaust. Aber so gelangte ich in ein schönes, anfänglich recht schmales Tal. Immer schön entlang eines Bächleins, hie und da ein Bauernhaus oder sonst eine Liegenschaft.
In Innerkrems, dem Ausgangsort für die Nockalmstrasse, wollte ich mich eigentlich verpflegen. Doch da war nichts, was offen gehabt hätte. Eine Frühstückspension, eine geschlossene Pension ein paar Ferienhäuser. So verpflegte ich mich aus dem Anhänger. Weil mich der Renner schon den ganzen Morgen erbärmlich angequitscht hatte, bekam auch er eine Portion Oel auf die Kette. Das verdankte er mir dann, mit einer absoluten Laufruhe über die ganze Nockalmstrasse.
5. Tag: Auf Umwegen in die Nähe der Nockalmstrasse
War ich gestern noch überzeugt, heute die Grossglocknerstrasse fahren zu können, so wechselte diese Überzeugung angesicht des nächtlichen Dauerregens zu Misstrauen. Erst recht, als ich am Morgen die Bilder der Wetterkamera aus dem Gebiet sah. Die reinsten Winteraufnahmen, geschlossene Schneedecke, Nebel bis knapp über die Kamera. Ob all das Flimmern nur der schlecht eingestellte TV-Empfang war? Der Grossglockner/Hochtor befindet sich immerhin auf übr 2500 MüM, und hier in Bruck, etwa 800 Meter ü.M. zeigte das Thermometer gerade noch 6 Grad an. Ich legte die Winterkleider in meinem Feriengepäck mal zuoberst bereit.
Nach dem Morgenessen, dann nochmals ein Blick auf die Wetter-TV-Kamera, das Geplätscher des Dauerregens auf der Strasse, den Wolken- und Nebelverhangenen Himmel: irgendwie mochte ich keine Freude an der heutigen Fahrt gewinnen. Ich warf den Notebook an und überspielte die gestern noch rasch zusammengestellte Ausweichvariante auf das GPS. Der Entscheid war gefallen: Ich fahre nun doch unten durch, statt durch den Winter.
Unten durch bedeutete: weiterhin der Salzach entlang hinunter bis auf die Höhe von St. Johann im Pongau, dann über einen Hügel hinunter nach Radstadt und von dort südwärts über Untertauern und Obertauern in Richtung Krems / Innerkrems / Brücke Krems.
4. Tag: Zell am Ziller - Bruck an der Grossglocknerstrasse
Das feine Morgenessen von gestern im Klosterhotel erhielt heute tatsächlich noch einen oben drauf. Sogar der Kuchen, gleich in mehrfachem Angebot, war da. 100Punkte für das Hotel Bräu und die Küche.
Das Thema Wetter machte auch heute, allerdings im positiven Sinne, wieder von sich reden. Am Morgen hing ziemlich Nebel in den Hügeln, zudem war es mit knapp 10 Grad doch recht kühl, wenn man bedenkt, dass die Passhöhe etwa 900 Meter höher liegt.
Doch bis ich gegessen, gepackt und ausgecheckt hatte, hatte die Sonne bereits einen Grossteil des Nebels verjagt. Ich traute der Sache aber dennoch nicht richtig und legte das Regenzeugs zuoberst auf die Packung. Über die üblichen Velokleider hatte ich noch das gelbe Jäckchen, das musste für die Passauffahrt genügen.
Die Passstrasse zum Gerlospass steigt schon bald nach Zell am Ziller. Relativ steil, gerade noch fahrbar mit dem Anhänger, schlängelt sie sich den Hügel hinauf. Dazu bietet sie immer wieder schöne Ausblicke ins Zillertal hinunter. Etwa bei gut 1100 Meter über Meer ist dann plötzlich fertig mit Höhenmeterkurbeln. Auf einer ziemlich flachen Ebene durchquert man das Dörfchen Gerlos. Wahrscheinlich ist da im Sommer und Winter doch einiges los. Jedenfalls gibt es grössere Hotels, mehrere Ski- und Mountainbike-Verleihe, Sessel- und Gondelbahnen. Nach dem Dorf nimmt dann die Passstrasse noch den Rest der fehlenden Höhenmeter. Vorbei an der Staumauer bis hinauf auf die Passhöhe.