Freitag, 07. August 2009
7. Tag: Demonte - St. Etienne de Tin
Zum ersten Mal auf dieser Fahrt verregnet worden. Auch sonst hatte Murphy heute seinen Tag.Der Tag begann f?r italienische Verh?ltnisse untypisch. Neben meinem Tisch, stand bereits so eine Art Servierboy mit allem möglichen drauf, was man sich zum Morgenessen w?nscht. Sogar eine Sorte Fl?ckli war da. Überhaupt hatte ich die Dame des Hotels schon beim Nachtessen im Verdacht, dass sie besonders gut zu mir schauen wolle. Ich bekam etwas mehr Tortellini als alle anderen, auch der Salatteller schien mir eine Nummer geh?ufter als bei den anderen G?sten. Selbst das Truthahnschnitzel sprengte meine bisherigen Erfahrungen. Zwischen dem zweiten Gang und den Dolci stellte sie mir noch eine K?seplatte hin. Ich konnte nehmen so viel ich wollte. Mittlerweile waren die anderen G?ste schon alle gegangen und sie brachte mir stolz einen Riesencoupe mit Glac?. Soll eine italiensiche Spezialit?t gewesen sein. Identifiziert habe ich mit Sicherheit: Schokolade, Vanille und Mocca. Da war aber noch vielleicht Mango drauf und Citrone. Schlagrahm nicht allzuviel, daf?r das ganze noch übergossen mit einer Schokoladensauce. Die Dame weiss glaub, was ich gerne habe.
Die Fahrt begann für heute einmal relativ flach. Ein paar Kilometer das Tal hinauf bis nach Vinadio, dann über eine kleine Br?cke und schon ging es los. Im dichten Wald Spitzkehren, eine nach der andern, aber nicht besonders steil. Dann lange das Tal hinauf, heute immer wieder an Wasserfassungen vorbei. Die haben hier den Vorteil, dass fast überall ein Brunnen in der N?he ist, oder wenigstens ein Rohr, aus dem das überfl?ssige Wasser raussprudelt. Hatte jedenfalls keine Mühe, meine Bidons zu f?llen.
Das Tal ist auch heute wieder sehr eng. Schon ein paar Mal ist mir aufgefallen, Wieviel Holz, entwurzelte oder abgebrochene Bäume entlang der Strasse, oder eben wie heute im Bachbett liegen. Manchmal scheint man richtig zu sehen, aus welchem Seitental, welche Lavine oder Erdrutsch runtergedonnert sein muss. Heute war es sogar so, das über weite Strecken die Leitplanken, sofern es jemals welche hatte, zusammengedr?ckt, ausgebrochen waren. Auf der Strasse sah man Spuren von Steineinschl?gen und von grossem, schwerem Baumaterial. Ich vermute mal, dass da einer der letzten Winter hier im Piemont ganz schön zugeschlagen haben muss.
Mal abgesehen von den Spuren dieser Naturereignisse, fuhr ich auch heute wieder durch ein wunderbares Tal hinauf. Einigermassen regelm?ssig wechselten sich die ganz steilen St?cke in der Passstrasse mit etwas flacheren ab, so dass zwischendurch immer mal wieder etwas Erholung möglich war.
Das Wetter war bis Mittag ganz ordentlich. Hie und da eine Wolke, ich achtete nicht weiter darauf. Doch kurz bevor ich die Passhöhe erreichte, rumpelte es zum ersten Mal am Himmel. Hinter mir und über den Seitentälern hingen bedrohlich schwarze Wolken herum. In aller Eile knipste ich meine Passfotos und begann in die Tiefe zu fahren. Allerdings nicht ohne vorher festzustellen, dass der Lombarde, von allen die ich in diesen Ferien befahren hatte, vermutlich der mit der grüssten Steinw?ste ist.
Hinunter nach Isola 2000. Der Skiort der Gegend. Es wird gebaut, ein Hotelkasten neben den anderen, Mir schien der Ort eine einzige Baustelle zu sein. Das Skigebiet am gegenÜberliegenden Hang, vielleicht das Paradebeispiel wie man es nicht machen sollte. Die ganzen Wälder zerfurcht mit Skipisten, planiert kreuz und quer. Überall und ohne Ende stehen Beschneiungsanlagen, vermutlich fix montiert und das ganze Jahr. Aber eben: nur mein Eindruck, gesehen unter einem herannahenden Gewitter.
Ich kam auf meiner Fluchtfahrt nicht besonders weit. Bald knallten die ersten Hagelk?rner auf meinen Helm. Auch wenn die nur die Gr?sse von Splittsteinchen haben, aber das t?nt b?s am Helm. Schnell suchte ich Schutz unter einer Baumgruppe, zog mir den Regenschutz über und wartete. Aus lauter Langeweile griff ich mal die Pneus des Renners und des Anhängers ab, nach all den Schlagl?chern und Baustellen, man weiss ja nie. Tats?chlich, das Hinterrad war f?hlbar weicher. So stellte ich den Renner wieder mal auf den Kopf und fand tatsächlichso eine Art Metallbraue, die offensichtlich so langsam eingedr?ckt wurde und nun diesen Schleicher auf dem Gewissen hatte. Da ich sowieso alles dabei hatte, es weiterhin kräftig regnete und ich unter dieser Baumgruppe halbwegs gesch?tzt war, wechselte ich gleich mal den Mantel und den Schlauch sowieso.
Die angekündigte "Autobahn" von Isola 2000 nach Isola hinunter konnte ich nicht wirklich geniessen. Tats?chlich ist sie die breiteste Passstrasse die ich schon jemals gesehen oder befahren habe. Für eine "Autobahn" hat sie aber doch merkw?rdig viele Spitzkehren. Landschaftlich müsste es wieder mal toll gewesen sein, diese zum Teil recht enge Schlucht hinunter zu fahren. Doch ich war besch?ftigt mit Regenschutz, nasser Strasse und langen Bremswegen.
Unten im Tal, in Isola, entschloss ich mich dann doch noch bis St. Etienne de Tinée raufzufahren. Der Himmel schien mir dort bereits wieder etwas heller zu sein. Doch mit fortschreitender Fahrt, kam auch wieder das Gewitter dazu. Es blitzte und dr?hnte in diesen engen T?lern und regnete zu dem ziemlich heftig.
Und wenn Murphy schon mal an der Arbeit ist, dann lässt er auch zu, dass das GPS wiedermal den kürzesten Weg sucht. Dieser endete heute aber am Ende einer Strasse vor einem R?fenniedergang. Ein letztes Haus, und dann nur noch Felsbrocken. Also umkehren und einen zweiten Versuch auf der ordentlichen Strasse. Dort werden aber die Velofahrer aufgefordert, auf einem separaten Weg nach St. Etienne de Tinée zu fahren. Den kannte das GPS nicht. Ein fürterliches Auf und Ab folgte. Etwa einen Kilometer vor dem Dorf ging nun dem GPS auch noch der Strom aus. So ist nun halt die heutige Aufzeichnung ein bisschen zu kurz. Sonst hätte es vielleicht doch noch für 2'000 Höhenmeter gereicht.
A propos Murphy: Er schlug dann noch mals zu: in diesem Hotel hat man keinen Keller, oder Garage, oder Remise um einen Renner unterzustellen. Ins Zimmer kann ich ihn nicht nehmen, das Haus ist so verwinkelt und das Zimmer, obwohl mit französischem Bett, so klein, dass er auch keinen Platz mehr hätte. Allerdings: Das Hotel scheint bei den Motorradfahrern bekannt zu sein. Jetzt steht er, zwar etwas an den tannigen Gartenhag gedr?ckt, aber umzingelt von den Motorr?dern. Und weil es immer noch regnet, hoffe ich mal, dass er bis morgen nicht geklaut wird.
| Details zur heutigen Velofahrt | ||||
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Vormittag |
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Nachmittag | ![]() |
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68.6 Kilometer 58.3 km/h Maximale Geschwindigkeit 1976 Höhenmeter 6:00 Stunden unterwegs 11.4 KM/h Durchschnitt bereits am Morgen schon recht warm, w?hrend des Gewitters dann sehr rasch abk?hlend |
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gefahren in:
in 2009 Hautes-Alpes • in Ausflüge •
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Meine letzten Fahrten, eingesendet bei Strava:
Meine Fahrten über Pässe (seit März 2012), registriert bei Quäldich:
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