Freitag, 13. April 2007

Wie es funktioniert

Seit ein paar Tagen habe ich meine Fahrten mit dem Renner in diesem Weblog in "fast-Echtzeit" aufzeichnen lassen. Hier nun eine kleine Beschreibung und ein paar Überlegungen zum Thema.

Idee:
Die Idee entstand während meinem "Swiss-Border-Ride 2006", der Fahrt mit dem Renner um die Schweiz. Wenn man so alleine unterwegs ist, hat man ja alle nur erdenkliche Zeit, über Mögliches und Unm?gliches zu sinnieren. Ich stellte mir vor, wie auf meinem Weblog, während meiner Fahrt, dauernd mein Aufenthaltsort, vor allem aber der Fortschritt der Umrundung um die Schweiz, sichtbar gemacht werden könnte. Je länger ich auch nach der Rundfahrt über die Machbarkeit studierte, begann die Technik, gepaart mit der Herausforderung einmal etwas Neues zu versuchen, zu faszinieren. Das Feuer der Realisation war gez?ndet.

Von allem Anfang an, stand fest, wie die Lösung auch immer aussehen sollte, sie musste jedem Besucher meines Weblogs, ohne Passwort und andere Hemmnisse, zug?nglich sein, möglichst gut und l?ckenlos in mein Weblog passen und obendrein auch noch kosteng?nstig sein.

Dass ich nach dem Umsetzen dieser Idee so einer Art "Big Brother is watching you" - Effekt ausgesetzt sein würde, diese Bedenken kamen zu spät, um das Projekt doch noch zu stoppen.


Abkl?rungen zu Möglichkeiten:

Suche nach einem geeigneten Ger?t:
So begann ich dann schon bald nach den Sommerferien mit ersten Abkl?rungen. Das Suchen bei Google zum Thema "GPS-Tracking" und ähnlichen Begriffen, brachte schon bald eine F?lle von Möglichkeiten hervor. Angefangen vom einfachen SMS-sendenden Halsband für Grosswildtiere bis hin zu komplexen Lösungen, mit denen sich ganze Fahrzeug- oder Schiffsflotten bewirtschaften lassen. Auch im weitesten Sinne im Bereich der Personen- oder Wertgegenst?nde-Überwachung, ob nun im positiven oder negativen Sinne, lässt sich einiges herausfinden.

Das Angebot wird dann aber deutlich kleiner, wenn Bedingungen wie Outdoor-F?higkeit, Stromunabh?ngigkeit, geforderte lange Laufzeit von Akkus, automatische und regelm?ssige übermittlung der eigenen Position (Rhythmus möglichst individuell einstellbar) und Providerunabh?ngigkeit als Rahmenbedingungen gesetzt werden.

Abkl?rungen bezüglichder Software:
Hier hatte ich aus der Arbeit mit der Software für dieses Weblog, der Software von Expression Engine, in der Vergangenheit bestimmte Erfahrungen im Umgang mit den Modulen und den Templates gesammelt. So sende ich zum Beispiel schon seit längerer Zeit einzelne Postings mit meinem Handy in dieses Weblog. Dennoch: die jetzt anstehende Idee, mit dem Realtime-Tracking, war neu, und ich hielt es für ratsam, nochmals tiefsch?rfende Abkl?rungen zu machen.

Natürlich hätte ich ein GPS-Positionen sendendes Ger?t kaufen können, das von einem bestimmten Provider supported wird und der dann auch die ganze Softwarel?sung im Angebot hat. Dort gibt es aber sehr oft (immer?) den Nachteil, dass sich die so gesammelten Daten jeweils nur auf den PC herunterladen und auswerten lassen, oder der Zugang via Internet, gesch?tzt ist. Entsprechende Abonnements für die Leistung meistens nur ein oder zwei Jahre dauern und relativ teuer sind. Das alles kam meiner Idee des Realtime-Tracking im WorldWideWeb zu g?nstigen Bedingungen nicht sehr nahe.

So blieb dann noch der Weg über die EE-Software. Doch der unterliegt ebenfalls einigen Einschr?nkungen. So ist es zum Beispiel nicht möglich, die Daten für das Login und die eigentlichen Daten in einer einzigen Meldung abzusetzen. Es müssen zwei Schritte sein: Erstens Login und anschliessend, falls Login ok ist, die DatenÜbermittlung. Aus Sicherheitsgr?nden kann auch nicht in Frage kommen, das Loginverfahren auszuschalten oder sonstwie zu reduzieren.

Somit blieb dann eigentlich nur noch der Weg, e-Mails an eine bestimmte Adresse zu senden, der EE-Software beizubringen sich bei der e-Mail-Adresse anzumelden und nachzuschauen ob ein neue e-Mail vorhanden ist.

Der Hardware-Entscheid:
Das Angbot an Hardware hat sich mit dieser e-Mail - Anforderung weiter reduziert. Wenn dann allerdings, die selbe Hardware auch noch ein SMS, im Sinne eins Backups bei fehlender GPRS-Verbindung senden kann, bleiben neben ein paar Handhelds nur noch der gew?hlte Webtracker. Kann der Webtracker auch noch die Höhenmeter übermitteln, so muss die Auswahl auf das Angebot von Touratech fallen.
Webtracker-4


Grunds?tzliche Funktionsweise der gew?hlten Lösung:
Hardware-seitig:
Der gekaufte Webtracker-4S lässt sich, sobald er eine g?ltige SIM-Karte eingesetzt erhalten hat, mittels Handy programmieren. Dazu gehört in meinem Falle vor allem natürlichdie e-Mail-Adresse, wohin er seine Reports senden soll, sowie bei Bedarf auch die SMS-Nummer für die Backup-Meldung, falls kein GPRS vorhanden sein sollte. Weiter kann ihm eine User-Identifikation und ein passwortgesch?tzter Zugang verpasst werden. Telefonnummern zur Ausl?sung eines Alarms nach dr?cken des Panic-Knopfes oder nachdem der "Parkknopf" zur kontrollierten und überwachten Ruhestellung gedr?ckt wurde, können nebst einigen weiteren Features ebenfalls programmiert werden.

Die Programmierungsm?glichkeiten sind sehr gut dokumentiert (sogar auf Deutsch). Jeder Programmschritt ist bestens erl?utert und wird vom Webtracker sowohl im positiven, wie auch im misslungenen Fall immer quittiert.

Software-seitig:
Im Softwarepaket von Expression Engine ist unter anderem ein Modul "Moblog" enthalten. Es kann die vorgegebenen e-Mail-Adressen nach neu eingegangenen e-Mails abfragen und mittels Vorgaben aus Templates ins Weblog übernehmen und darstellen. Diese F?higkeit machte ich mir zu Nutze.

Weil es sich in diesem Falle um eine sehr benutzerspezifische Anforderung handelt, baute ich im erw?hnten Moblog-Modul einen zus?tzlichen Analyse- und Verarbeitungsschritt ein. Der Analyseschritt interpretiert das erhaltene e-Mail, sucht darin die Koordinaten, Höhenmeter, Geschwindigkeit und den Zeitstempel. Der Verarbeitungsschitt muss dann die Koordinaten, bestehend aus Grad, Minuten und Zehntelsminuten in Grad und Zehntelsgrad umrechnen, die Zeitangabe von UTC auf unsere Sommer-/Winterzeit umrechnen, die Geschwindigkeit von Knoten auf Kilometer umrechnen und anschliessend die so erhaltenen Ergebnisse auf der MySql-Datenbank dieses Weblogs ablegen.

Ein neugeschaffenes Template liest nun die in der MySql-Datenbank abgelegten Datenrecords und stellt sie wie ersichtlich zusammen mit einer GoogleMap dar.

Erste Erfahrungen aus der Anwendung:
Nach den ersten Fahrten, immerhin schon über 300 Kilometer, bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Ein einziges mal wurde eine Position mit der Koordinate 0,0 (Südlich Nigeria, irgendwo im Ozean) gesendet. Eine einzige weitere Meldung wurde ohne Höhenmeter gesendet, dies nachdem ich meinen Renner allerdings in einer Unterf?hrung einen Moment lang habe stehen lassen. Ein paar Mal hatte der Webtracker einen Aussetzer, so dass er sich während Minuten nicht mehr im GSM-Netz einloggen konnte. Abstellen und Wiedereinschalten haben das Problem dann gelöst. Vermutlich ist der Webtracker nicht ganz ersch?tterungs-resistent. Anfänglich hatte ich ihn am Lenker meines Renners montiert. Die beiden erw?hnten Ausf?lle sind beide Male nach dem Geholper über Tram- und Bahnschienen vorgekommen. Seit dem f?hrt er in der Satteltasche mit.

Laut Vertreiberangaben betr?gt seine Genauigkeit < 15 Meter. Im freien Gel?nde liegen die Markierungen oft ziemlich genau auf der Strasse, während in der Stadt oder in engeren T?lern naturgem?ss die Bandbreite bis 15 Metern ausgenutzt werden muss. Ob es einen Zusammenhang hat, dass der Webtracker, seit dem er in der Satteltasche statt am Lenker mitfährt, genauere Positionsmeldungen absetzt, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht hat ihn die Sch?ttlerei am Lenker tatsächlichgest?rt.

zur Zeit noch offene Tests:
  • Senden eines SMS als Alternative zum e-Mail bei fehlender GPRS-Verbindung, ist noch nicht ausgetestet.

W?rdigung:
Im Hinblick darauf, dass ich plane dieses Jahr meine Fahrt von Paris über Nizza nach Rom auch auf diese Art im Weblog darzustellen, finde ich, dass mir die Umsetzung meiner Idee des "Realtime-Tracking" recht gut gelungen ist. Selbst jetzt, wo nur ein "Near-real-time-Tracking" realisiert ist. Die eine oder andere Ergänzung bis zum Fr?hsommer könnte auch zeitlich noch drin liegen.

Die Reduktion meiner Anforderung von Realtime auf Near-Realtime d?rfte nicht weiter ins Gewicht fallen. Letztendlich bringen sek?ndliche Meldungen dem Zuschauer auch nicht wesentlich mehr Informationen. Die aktuelle 10-Minuten-Uebermittlung halte ich für meine Bed?rfnisse (und mein Tempo als Radfahrer) noch als überschaubare Menge.

Software-m?ssig ist die Lösung so realisiert, dass später (schon auf Paris-Nizza-Rom?) sogar einzelne Positionen mittels dem Handy und vor allem einem Bildchen übermittelt werden können. Zum Beispiel dem Bildchen des Restaurants des Mittagessens oder des Hotels der übernachtung.
Alles in allem: ein tolles Gadget, eine tolle Ergänzung für eine Velofahrer-Seite, bringt für den Zuschauer sicherlich ein paar zus?tzliche Eindrücke von der Fahrt oder vielleicht sogar vom Velofahrer-Dasein, aber es geht auch ohne.




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von Urs, am 13.04.07 um 23:46
in GPS auf dem Velo

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