Freitag, 12. August 2005

Mittagessen im Tessin

Zweiter Tag meiner Alpentour 2005: Oberalp - Lukmanier und Gotthardpass stehen heute auf der Wunschliste

Ein wolkenloser Himmel begr?sste mich heute Morgen in Andermatt. Vielleicht etwas kühl, aber dennoch beste Voraussetzungen f?r eine Mehrp?sse-Fahrt.

Schon lange hatte ich die Idee, über Oberalp und Lukmanier ins Tessin zu gelangen.

Die Oberalp von Andermatt her bietet keine besondere Schwierigkeit. Gute Strasse, Steigung irgendwo um 6 - 8 %, früh am Morgen noch kaum Verkehr. Der grüsste Teil der Höhendifferenz wird auf den ersten sechs Kilometern überwunden. Ungefähr ab dem N?tschen kann in h?heren G?ngen anf?nglich über Weidland, später durch die Gallerie parallell zur Furka-Oberalp-Bahn, geradelt werden.

Dann die Abfahrt durch die Surselva hinunter bis Disentis, ebenfalls meistens gut ausgebaute Strasse. Dank des fortschreitenden Tages wird es laufend auch immer wärmer. In Disentis dann der letzte Knick in der Strasse und die Mitteilung am Dach einer grossen Sagerei, dass die Passhöhe nun noch 20.5 Kilometer weit entfernt ist. Kurz darauf beginnt die "Rampe".

Der Aufstieg zum Lukmanier-Pass verl?uft stufenf?rmig. Während 20 Km wechseln sich relativ flache Teile mit teils anspruchsvollen Steigungen ab. Am Anfang, auf der Seite von Disentis, gibt sich das Tal einen sehr engen, fast unfreundlichen Ausdruck, weitet sich dann aber nach der Passage von Gallerien ziemlich aus. Eine herrliche Berglandschaft mit vereinzelten Meiens?ssen und mehreren kleinen D?rfern entlang der Passstrasse dürfenpassiert werden. An diesem Morgen, ausser ein paar talw?rts surrenden Velofahreren und knatternden Motorr?dern kaum ein Leben auf der Strasse. Eidechsen sonnen sich am Strassenrand, verschwinden aber beim Herannahen blitzartig zwischen den Steinen. Weiter oben an den Hängen, pfeiffen immer wieder Murmeltiere.

Die Abfahrt ins Tessin f?hrt im obersten Teil durch einen sehr schönen lichten Tannenwald der an manchen Stellen zum Picknick einzuladen scheint. Auch auf dieser Seite eine sehr gut ausgebaute Strasse, die selbst mit dem Velo grosse Tempi zul?sst. Einzelne Stellen, wie auch auf der B?ndnerseite, sind noch ausgelegt mit Betonplatten und den damit unweigerlich auftretenden Schl?gen über Fugen und Stossstellen. Manche Platten weisen wahrscheinlich Sch?den des Frostes auf und sind dann mit Teer übergossen und geflickt. Wegen der mitt?glichen Hitze, beginnt sich die Abfahrt etwa ab Olivone in die L?nge zu ziehen. Es wird immer wärmer und trockener. Ein leichter Gegenwind sorgt ebenfalls für eine trockene Kehle. Ich bin ich jedenfalls froh, nach etwa 40 Kilometer Abfahrt endlich in Biasca im Bahnhof mein Mittagessen einnehmen zu können.

Frisch gest?rkt, mit gefällten Bidons und gekauftem Mineralwasser (f?r alle F?lle), mache ich mich auf den Weg nach Airolo. Anfänglich noch mit leichtem Rückenwind, war die Hitze an diesem Nachmittag einigermassen ertr?glich. Spätestens in den Spitzkehren von Faido und später kurz vor Airolo, stieg mein Wasserkonsum explosionsartig an.

In Airolo angekommen überlegte ich lange: ?ffentlicher Verkehr nach Andermatt (via Göschenen) oder Tremola und Gotthardpass?

Die Tremola reizte mehr, zumal es sich nur um 12 Kilometer handeln sollte. Davon mindestens 10 als Kopfsteinpflaster. Die ersten paar Kilometer bis über Airolo hinauf verlangten einiges an Kraft. Ich musste mich zuerst an die ewige Sch?ttlerei auf dem Kopfsteinpflaster gew?hnen und war auch immer wieder auf der Suche nach "ruhigeren" Stellen. Die Strassenf?hrung selber gibt immer wieder schöne Ausblicke auf Airolo und das Tessin. Etwas verwirrlich ist das Durcheinander von Autobahn, Umfahrungsstrassen, Kantonsstrassen und die Abzweigung zum Nufenen. So etwa ab der Kaserne über Airolo begann ich zu leiden und zu frieren. Der Rückenwind hatte gekehrt und pfiff nun eisig kalt vom Gotthard herunter. Die Strasse vorübergehend ohne Kopfsteinplaster, sondern nur als Betonplatten und geteerte Fahrbahn, bis zum definitiven Eintritt in das Tal der Tremola.

Da stand sie vor mir. Steinig, schmal, zittrig wegen des Kopfsteinplasters und eisig kalt wegen des Gegenwindes vom Gotthard herunter. Die Tremola. Wegen aufkommenden Hungers und Kälte futterte ich weitere Bananen, später Schokolade, zog mir ?rmelstulpen und Knielinge über und machte mich gem?chlich an die Eroberung der Kehren. Jede kleine Strecke talausw?rts (mit Rückenwind) eine Erholung. Dann, endlich die Passhöhe. Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden gerade hinter den Bergen.

Noch mehr Kleider anziehen und eiligst nach Andermatt ins Hotel.

Details zur heutigen Fahrt:
159.05 KM
62.2 KM Maximale Geschwindigkeit
3268Höhenmeter
8:50 Fahrzeit
17.9 KM/h Durchschnitt
17% Steilste Steigung
Kartenausschnitt, blauer Teil: 12. August, blauer Teil
Fotoalbum: Foto/Fotoalbum



Ergänzungen nach dem ersten Posting:

19.03.2011: Feldinhalte an EE2.x angepasst





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von Urs, am 12.08.05 um 22:37
in Training oder Ausflüge • in Lukmanier • in Oberalp • in St. Gotthard

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