 Die Heimreise treten wir heute morgen bei eher trübem Wetter an. Der Bus f?hrt uns von der Insel Usedom wieder aufs Festland. Unter anderem fahren wir durch teils kilometerlange Alleen, teils schnurgerade. Wir rumpeln aber auch auch über das letzte, noch nicht sanierte 60-j?hrige Autobahnst?ck. In Berlin - Tegel besteigen wir dann bei schönstem Sonnenschein unser Flugzeug nach Zürich.
An dieser Stelle die letzte Schilderung im Zusammenhang mit der Insel Usedom
Und dabei ist die Bäderkultur nicht einmal so alt. "Badeg?ste gehen unvern?nftigerweise in das kalte Wasser, geben ihr Geld unn?tigerweise aus und legen sich wider das Gebot eines gesunden Lebens in die pralle Sonne". Den Fischern und Bauern war dies verst?ndlicherweise unbegreiflich, denn kein Einheimischer begab sich freiwillig ins Wasser. Als der preussische Oberforstmeister und Begr?nder von Heringsdorf dies um 1820 erstmals mit offensichtlicher Freude am Usedomer Strand tat, erwog der ?rtliche Magistrat sogar, ihn ins Zuchthaus oder die Irrenanastalt zu stecken.
Die ersten Badeg?ste liessen sich, gesch?tzt vom Blick allf?lliger Zuschauer und voll bekleidet in einem Badekarren ins seichte Wasser ziehen, zogen sich aus und stiegen dort von einem blickgesch?tzten Treppchen kurz und bibbernd ins Wasser, um schliesslich wieder hochgeschlossen im Trockenen aus dem inzwischen an Land gezogenen Wagen auszusteigen. Um den Beginn zum 20. Jahrhundert wurden in den Seeb?dern Badeh?user mit Umkleidekabinen und Treppen ins Wasser gebaut, strikt getrennt nach Geschlechtern und mit jeweils einigen hundert Metern Abstand zwischen Frauen- und M?nnerbad. Man badete nackt, so wie es der Arzt verordnet hatte, denn das Tragen von Kleidern ist durchaus sch?dlich, verhindert ein schnelles Abtrocknen und gibt sehr leicht zu Erkältungen Anlass.
Nach dem ersten Weltkrieg lockerten sich die Badesitten, zumindest was die getrennten Badeh?user anging. Man tummelte sich frei am Strand und ruhte sich im Strandkorb aus. Die überfl?ssigen Badeh?user wurden abgerissen. Die Bekleidung unterlag jedoch festen Vorschriften. Noch 1933 galt: "Das ?ffentliche Nacktbaden ist untersagt, und Frauen dürfennur ?ffentlich Baden, falls sie einen Badeanzug tragen, der Brust und Leib an der Vorderseite des Oberk?rpers vollst?ndig bedeckt, unter den Armen fest anliegt sowie mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist. M?nner dürfen?ffentlich nur baden, falls sie wenigstens eine Badehose tragen, die mit angeschnittenen Beinen und einem Zwickel versehen ist."
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich die Badesitten von allen Vorschriften entfernt. Es wurde nackt gebadet oder auch im schicken Badedress. Das hat sich nach der Wende jedoch wieder gründlich ge?ndert. Nun gibt es ausgewiesene FKK-Str?nde, fein abgegrenzt und ausserhalb der Sichtweite famili?rer Badeorte. |