Sonntag, 05. September 2010

Herbstfahrt, Teil 1

Dieses Jahr fahre ich mal wieder im Mitten des Herzens der Schweizer Alpen herum.

Schon sehr fr?h am Morgen, der Zug glich noch eher einem Schlafzug, setzte ich mich in Richtung Innerschweiz in Bewegung. Kurz nach 09:00 Uhr kam ich bereits in Andermatt an. Ein paar Wolken, nichts schlimmes, eben so, wie es der Wetterbericht vorhergesagt hatte. Sonnencr?me einreiben und umziehen auf kurz/kurz war bald erledigt. Es ist tatsächlichso warm, dass ausser bei den Abfahrten von den Pässen herunter noch, oder vielleicht besser: schon wieder, in kurzer Hose und kurzem Leibchen gefahren werden kann.

Als ersten Pass hatte ich mir den Furkapass ausgew?hlt. Zuerst nach Hospental eine kleine Steigung hinauf, gerade richtig zum Aufw?rmen. Richtig los geht es ja dann nach Realp. Obwohl ich die Furka von dieser Seite auch schon gefahren bin, kam sie mir heute viel länger vor. Möglicherweise war ein Grund daf?r die vielen Staus auf der Strasse, weil da Milit?rlaster mit Anhänger unterwegs waren. Zudem in beide Richtungen. Notabene auf einer Strasse, bei der sich kaum zwei Busse vern?nftig kreuzen können. Wer sich wohl das wieder ausgedacht hat?!

Unten im Tal wurden die Dampfloks f?r die Dampfbahn eingeheizt und die Z?ge zusammengestellt. Seit kurzem (dieses Jahr?) ist die Bergstrecke der Dampfbahn wieder befahrbar von Realp nach Gletsch und hinunter bis Oberwald.

Ich glaube, es ist das erste Mal, dass ich diesen Pass bei vern?nftigem Wetter, kein Nebel, kein Regen, kein Schnee, einfach eine schöne Sicht, überfahren kann. Entsprechend schön pr?sentierte sich dann natürlichauch die Passtafel.

Nachher kann z?gig die Abfahrt in Angriff genommen werden. Breite Strasse, höchstens mal ein paar Einschl?ge von herabgefallenen Steinen. Im untersten Teil, unterhalb Gletsch, stellten sich überall Photographen bereit. Jedenfalls als ich in Oberwald (Walliserseite der Furka) ankam, fuhr dort gerade ein Dampfzug vom Bahnhof weg, auf die frisch renovierte Strecke. Natürlich x-Mal abgeklickt von Freunden der Dampfbahn und anderen Bahnliebhabern.

In Ulrichen geht dann die Abzweigung links weg in Richtung Nufenenpass. Diese Seite des Passes fuhr ich zum ersten Mal in dieser Richtung. Ich hatte ihn nicht so steil erwartet. Etwa in der halben Strecke musste ich mir eine vern?nftige Pause, mit Pl?nderung der Notportion genehmigen, bevor es wieder weitergehen konnte.

Nach einer ersten Serie von Spitzkehren, verl?uft die Strasse sehr lange und ziemlich steil sehr weit ins Tal hinein, bevor dann eine zweite Serie von Spitzkehren zu bew?ltigen ist. Oben angekommen genoss ich zuerst mal eine richtige Portion Tomatenspaghetti, bevor ich dann noch ein paar Fotos der Umgebung machte. Der Nufenenpass ist eine schöne und breit ausgebaute Passstrasse. Streckenweise vielleicht ein bisschen gar steil, aber schliesslich ist ja der Nufenen auch der h?chste, durchgehend geteerte, oder besser: betonierte, Pass der Schweiz. A propos betoniert: die Abfahrt nach Airolo besteht während vieler Kilometer aus Betonplatten. Alle paar Meter eine Rille, dazwischen noch zerbrochene oder geflicke Platten. Eine Sch?ttlerei ohne gleichen. Einmal hat es mir sogar den Bidon aus dem Halter geworfen.

Die Auffahrt zum St. Gotthard kann bereits ein St?ck ausserhalb Airolos begonnen werden. Im untersten Teil, etwa bis zum Kasernen-Areal hinauf, bestehen nur ein paar wenige, kurze St?cke auf Plastersteinen. Ab dem Kasernen-Areal gibt es dann ein paar Kilometer Panzerpiste, gerippelter Beton, zu befahren, aber bergw?rts ist das kein Problem. Irgendwo zwischen Airolo und dem Kasernen-Areal begegnet mir auch eine Postkutsche. Vermutlich vom Verkehrsverein werden Fahrten auf der Postkutsche von Andermatt über den Gotthard nach Airolo organisiert, die bespannt sind mit Pferden wie anno dazumal. Richtige F?nfsp?nner aus drei weissen und zwei braunen Pferden. Postkutsche und Pferde werden dann in Airolo auf Autotransporter verladen und gelangen so wieder nach Andermatt zurück.

Heute war überhaupt auf der Strecke, der Tremola, einiges los. Wie beschrieben die Postkutsche, zudem fanden irgendwelche Dreharbeiten statt. Jedenfalls kurvten da immer wieder ?ltere Sportwagen durch die Gegend. Auffällig h?ufig ein schwarzer VW, beschriftet mit "old sprint". In einer der obersten Spitzkehren der Tremola stand auch ein Filmerteam, mit Foto- und Filmapparaten, Teleobjektiven und PC.

Bei meiner Auffahrt am späteren Nachmittag, blies ein fürchterlich kalter und heftiger Wind von der Passhöhe herunter. Bei den vielen Spitzkehren kann man sich dann fast darauf verlassen, dass man nach dem Kraftakt gegen den Wind nach der Kurve regelrecht zur nächsten Kurve hinaufgeblasen wird. Nur Schade, dass die Abschnitte gegen den Wind deutlich länger als jene mit dem Wind sind.

Wer es nicht mehr weiss: die Tremola besteht durchgehend aus Pflastersteinen. 6 KM Geholper. Glücklicherweise sind es die kleinen Steine. Hinauffahren mit dem Renner geht noch einigermassen, hinunterfahren ist aber eine Qual und will gut überlegt sein. Selbst auf meinem Renner, dem "Specialized, Modell Roubaix" sch?ttelt es halt immer noch. Er soll ja für Paris - Roubaix gebaut worden sein. Dagegen ist die Tremola aber nur ein Sonntagsf?hrtchen.

Auf dem Gotthardpass reicht es gerade noch um die obligate Passfoto zu machen, bevor sich der Nebel von den Bergen auf die Passhöhe hinunter legt. Bei der Abfahrt nach Andermatt dauert es eine ganze Weile bis ich die Nebeldecke wieder verlassen kann.

PS: es scheint das Los aller Passtafeln zu werden, dass diese nun auch in der Schweiz mit unz?hligen Klebern zugespamt werden.




Details zur heutigen Velofahrt
etwas_Wolken Vormittag
mit dem Renner
Nachmittag etwas_Wolken
 
104 Kilometer
3000 Höhenmeter
8:00 Stunden unterwegs
13.0 KM/h Durchschnitt
schon fast wieder sommerlich, die Abfahrten von den P?ssen eher k?hl

 



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von Urs, am 05.09.10 um 00:15

gefahren in: TessinUriWallis

in Passfahren • in Ausflüge • in Furka • in Nufenen • in St. Gotthard

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