Freitag, 24. April 2009
Der kleine Aktion
Meine erste Generalversammlung... als Spielball der Grossen? So jedenfalls kam ich mir an der heutigen Generalversammlung der Aktion?re vor. In meinen vielen Dienstjahren sind ein paar Aktien aus Dienstaltersgeschenken zusammen gekommen. Ein paar weitere kamen wegen besonderen Leistungen dazu, einige habe ich aber auch schon verkauft. Per Saldo sass ich als Kleinstaktion?r zwischen gut 2000 weiteren Aktion?ren im Saal.
Seit dem vor knapp einem Monat unsere Arbeitspl?tze an das andere Stadtende verlegt wurden, findet nun die Generalversammlung erstmals nur noch einen Steinwurf vom Arbeitsort entfernt statt. Klar, da musste ich mal hin, live erleben und h?ren, wie so eine GV eines richtig grossen Unternehmens abl?uft. Übrigens die erste GV die ich überhaupt erlebt habe.
Nach all den formellen Floskeln zum Einstieg in die GV und um dem Gesetz gen?ge zu tun, wurde vom Verwaltungsratspr?sidenten das abgelaufene Geschäftsjahr mit all seinen Schwierigkeiten und den gef?llten Entscheidungen ausf?hrlich und eindr?cklich nochmals nachgezeichnet. Für den aufmerksamen Zeitungsleser und den recht gut orientierten Mitarbeiter eigentlich nichts wirklich Neues dabei. Auch die Ansprache des CEO nichts wirklich Neues, eher ein Lobgesang, da ja alles noch viel schlimmer hätte sein können.
Vor dem grossen Abstimm- und Wahlprozedere dann die Reden der eingeschriebenen Aktion?re. Auch hier, nicht wirklich etwas überraschendes. Die grossen Themen, wie der Konkurs von Lehman Brothers und damit zusammenh?ngend die Verluste von vielen Aktion?ren, das Gezeter um Boni und variable Entsch?digungen waren die haupts?chlichsten beiden Themen.
12 Millionen im Saal anwesende Aktienstimmen, gegenÜber mehr als 570 Millionen vertretenen Aktienstimmen insgesamt. Wen verwundert es da, dass die Abstimungsresultate eher an Resultate aus ?stlichen Regionen oder Diktaturen erinnern? Selbst wenn wir alle dagegen gewesen w?ren, so hätte dies auf das Endresultat einen negativen Einfluss von nur gerade gut 2 % gehabt.
Da ist mir dann eine Kirchgemeindeversammlung doch noch lieber: mit den dort anwesenden Stimmen, die im Regelfall ja auch kaum mehr als 2 % aller Stimmberechtigten ausmachen, kann wenigstens über Sachgesch?fte, Finanzen und Personen abgestimmt werden. Und man kann die sogar "den Bach hinunter schicken" wenn die Stimmberechtigten zusammenhalten.
Ich weiss, das ist eine ganz andere Liga. Aber an der GV eines ganz Grossen, spielen die Aktion?re nur noch die Statisten.
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