Dienstag, 29. Juni 2010

das Dach meiner Ferien: Timmelsjoch

Im Hotel der letzten Nacht, w?re eigentlich Morgenessen erst ab 08:00 Uhr möglich gewesen. Da aber eine gr?ssere Gesellschaft bereits um acht wegfahren wollte, wurde das Morgenessen auf 07:00 verl?ngert. Davon machte auch ich gerne Gebrauch. Denn einerseits musste ich damit rechnen schon sehr bald an der Sonnenseite des Berges in die Höhe zu kurbeln, zudem würde die Strasse wegen des talw?rtsfahrenden Transalps (ein Radrennen quer über die Alpen) eine Stunde lang gesperrt.

So kam es denn, dass ich bereits kurz nach acht Uhr auf der Strasse in Richtung Tim-melsjoch kurbelte. Vorerst noch im Schatten. Doch heute fand ich meinen Rhythmus irgendwie nicht. Vielleicht f?hlte ich mich wegen der Zwangspause unter Druck, wollte ich doch vorher möglichst weit oben sein. Doch dieses Zwangsgef?hl war ausgerechnet heute der denkbar schlechteste Partner. Von der Bettkante her ging es aufwärts. Aufw?rts bis auf eine Höhe von 2509 Meter über Meer. Insgesamt über 1800 Meter Höhendifferenz. Das Profil w?re eigentlich bis auf zwei Ausnahmen nicht so besonders schlimm gewesen. Es bot auch immer wieder flachere St?cke dazwischen. Doch wie gesagt, ich fand meine sonst ?bliche Ruhe nicht.

Irgendwann nach 10:00 Uhr kamen dann die ersten Rennfahrer das Tal herunter. Mit Polizeibegleitung und Tour-Auto, wie man das zum Beispiel von der TdS kennt, allerdings ohne den ganzen Werbetross. Ich hielt es für ratsam, jetzt auf dem n?chstgelegenen Ausstellplatz die angekündigte Pause einzuschalten. Verpflegen, trinken, fotographieren, warten. Warten auf den Schlusswagen der angekündigten Stunde.

Ich konnte weiterfahren. Bei nächster Gelegenheit noch Wasser getankt. Die Strasse wechselte immer wieder ab zwischen Gruppen von Spitzkehren und langen, kaum endenwollenden geraden St?cken. Ab KM 21 bis 23, wusste ich vom Profilstudium her, war die einzige ?Über 10%-Rampe?. Der Kopf wollte nicht mehr, die Beine auch nicht, der Anhänger war so schwer wie noch nie. Marschpassage, vermutlich hatte ich meine Kr?fte heute vollst?ndig falsch eingeteilt, war vielleicht auch überm?tig vom gestrigen guten Tag.

Doch wie sagte einer meiner beiden Guides während den Dolomiten-Fahrten: die letzten 200 Höhenmeter sp?rst du nicht mehr. Ich sehnte mich nach diesen Zeitpunkt. Und er kam tatsächlich. Die letzte Spitzkehre, das letzte lange, schlecht beleuchtete Tunnel, es lief plötzlich wie fast von alleine. Die Strasse stieg immer noch, noch ein paar weitere kurze Tunnel, noch ein Kilometer bis an die Österreichische Grenze, nochmals ein paar Tunnels und Kurven, dann die Passtafel ?Timmelsjoch, Passo Rombo?. Geschafft.

Ich genoss kurz die Aussicht. Ab jetzt ging es nur noch bergab, ausser den bekannten Stellen zur Mautstelle hinauf und kurz vor Sölden. Ich liess es laufen, so gut das mit dem Anhänger eben geht. Ein leichter kühlender Wind kam von unten.

Schon nach Obergurgel wurde der Wind langsam zur Qual. B?ig, warm, austrocknend stellte er sich in den Weg. Mehrmals musste ich anhalten um Wasser zu trinken. Bei b?igem Wind und Anhänger, schaffe ich das nicht während der Fahrt. Der Anhänger ist zu windanf?llig.

Nach langen Kilometern gegen den Wind gelangte ich dann ins Inntal. Dort profitierte ich jetzt von einem z?gigen Rückenwind. Gerade als ich es begann zu geniessen, gestossen zu werden, war Schluss, wie abgestellt.

Ich war mal gerade wieder mit meinem GPS besch?ftigt. Es passte mir nicht, jetzt auf der Tiroler Bundesstrasse bergaufw?rts fahren zu müssen. Da sollte doch irgendwo noch ein Radweg sein. In diesem Moment schabte irgendwas, wie Krallen, oder N?gel direkt vor mir auf der Strasse. Ich weiss nicht wer mehr erschrak, das Reh oder ich. Zwei drei Spr?nge, kratzende Hufe auf der Strasse und weg war es, mitten im dichten Strassenverkehr, einfach durch eine Lücke in der Autokolonne gehuscht und dabei fast den Radfahrer übersehen.

Kurz vor Imst bem?hte ich aber doch nochmals mein GPS für die Suche eines Hotels: ?Suche Unterkunft?, ?Folge Strasse?, ?Go?. Ich habe dann allerdings doch das Hotel auf der anderen Seite der Strasse genommen. Bauchentscheid, hat wahrscheinlich nichts zu bedeuten. cool smile

Nachtrag nach dem Nachtessen: a propos Bauchentscheid: die Portionen hätten für einen Lastwagenchauffeur längstens gereicht, geschweige denn für einen hungrigen Velofahrer ohne Mittagessen.




Details zur heutigen Velofahrt
schoenster_Sonnenschein Vormittag
mit Roubaix und Monoporter unterwegs
Nachmittag einzelne_Wolken
 
99.6 Kilometer
54.6 km/h Maximale Geschwindigkeit
2099 Höhenmeter
6:41 Stunden unterwegs
15.4 KM/h Durchschnitt
Sommerlich, auf den Bergen k?hl, in den T?lern heiss

Profil im PDF-Format Höhenprofil dieser Fahrt
 



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von Urs, am 29.06.10 um 00:59

gefahren in: ItalienTrentino-SüdtirolÖsterreichTirol

in 2010 Dolomiten • in Ausflüge • in Timmelsjoch - Passo Rombo

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