Die nächtlichen Schauer hielten doch etwas länger an, als das vorhergesehen wurde. Jedenfalls waren die Strassen am Morgen noch frisch verregnet und spritznass. Egal, dachte ich mir, das wird schon noch trocken bis nach Zürich. Vorsichtigerweise überzog ich aber dennoch den Rucksack mit seiner Regenhülle. Als ob ich es geahnt hätte: es wurde nicht wirklich trocken, während des ganzen Weges spritzte es immer wieder.
Wegen der starken Wolkenbildung blieb heute auch der Sonnenaufgang weitgehend unbeobachtet. Zudem musste ich feststellen, dass die GoPro bei schlechter Beleuchtung wohl kaum zu gebrauchen sein wird. Viele Bilder sind verwischt oder verzittert. Das mag zwar im Einzelfall nach viel Geschwindigkeit aussehen, aber als Bilderreihe wird es kaum zu gebrauchen sein. So gut und präzis die GoPro bei halbwegs guter Beleuchtung ist, aber in der Dunkelheit, nur schon in der Dämmerung, wird sie wohl nicht mehr zu gebrauchen sein.
Doch alles der Reihe nach. Während der morgendlichen Fahrt hingen noch ein paar harmlose Wolken am Himmel herum. Der Sonnenaufgang im Furttal spielte sich dahinter ab. Dafür fand das Farbenspiel heute zuerst an den Wolkenrändern statt, bevor dann schlussendlich die ganze Wolke davon eingefärbt wurde. Ich hatte schon Bedenken, ob wohl die GoPro auch mit dieser Beleuchtung etwas brauchbares machen konnte. Der Vordergrund ist zwar etwas dunkel geraten, doch den Hauptteil, die farbliche Wirkung am Himmel kann man gut erkennen.
Derzeit trifft es sich jeweils ungefähr so, dass ich die Sonnenaufgänge während der Fahrt durch das Furttal beobachten kann. Ich überlasse mittlerweile die Fotographiererei ganz der GoPro am Lenker. Sie macht einfach alle 30 Sekunden ein Bildchen. Heute hätten sich gleich mehrere Schnappschüsse für ein Posting geeignet.
Das heutige Bildchen ist der Höhepunkt, der Schlusspunkt, einer längeren Entwicklung von der Dunkelheit, über die ersten Blautöne an einem wolkenlosen Himmel. Wenig später folgten dann die ersten rötlichen Farben, Pink und Orange, bis sich dann die Sonne zwischen den Bäumen und den Häusern zeigte. Fahrten mit einer solchen Farbenpracht geniesse ich besonders.
Nach der Ruhepause der letzten Woche und dem Ausflug vom letzten Wochenende, wird es nun langsam Zeit, noch ein paar schöne Sommerfahrten auf dem Arbeitsweg mitzunehmen. Mittlerweile ist es zur Zeit der Abfahrt schon wieder dunkel, die Beleuchtung am Lenker wirft nun einen sichtbaren Lichtkegel auf die Strasse. Temperaturmässig ist es mit Knielingen und dem gelben Jäckchen über die kurz/kurz-Kleider auch in den frühen Morgenstunden noch zum Aushalten.
Wie erhofft, hat die GoPro, montiert am Lenker des Rennrades, heute Morgen im Furttal die ersten Sonnenstrahlen mit ein paar wunderschönen Schnappschüssen eingefangen.
Die Fahrt gestaltete sich auf den ersten paar Kilometern relativ schwierig. Die Arbeitswege fahre ich ja mit einem anderen Rennrad als meine Wochenend- oder Ferienfahrten. Der Renner für den Arbeitsweg führt auch zu einer etwas gestreckteren und flacheren Haltung des Oberkörpers, rennmässig eben und nicht tourenmässig. Nach fast 2000 Kilometern wieder auf dem Arbeitsrennrad musste ich mich schon etwas umgewöhnen.
Die Regenfälle von gestern Nachmittag arteten nach einem kurzen Unterbruch später in einen Dauerregen aus, der seinen Höhepunkt wohl in einem grösseren Gewitter im Oberengadin fand. Bis weit in die Nacht hinein blitzte und krachte es teils heftig zwischen den Bergen. Ob die Bäche heute Morgen wohl deshalb meist randvoll und eher in bräunlich-grauer Färbung von den Bergen herunter plätscherten? Wohl auch eine Folge dieser nächtlichen Gewitter waren die tiefhängenden Wolken heute Morgen.
Nach dem Morgenessen fuhren wir mit dem Postauto eine kleine Extrarunde durch das Oberengadin. Von St. Moritz bis zum Malojapass hinauf, schauten wir uns dies und das an, zum Beispiel die wohl berühmteste Kurve der Natureisbobbahn, den Horse-Shoe bei Celerina, das Nietzsche - Haus in Sils, das Waldhaus ebenfalls in Sils, wunderten uns über gewisse architektonische Ausreisser, aber auch über ganz gelungene und wunderschöne Siedlungen im Stil des Engadins. Schauten kurz zu den Drehorten von "Heidi", welche sich ja ebenfalls zum Teil im Oberengadin befunden haben. Der Postauto-Extrakurs entliess uns dann gegen Mittag in Pontresina, am Eingang ins Rosegtal.
Während der Kutschenfahrt durch das Rosegtal hinauf ist es wunderschön zuzusehen, wie die Gletscher vor dem Piz Bernina und dem Piz Palü immer näher rücken. Vielleicht wegen der etwas besonderen Beleuchtung, vielleicht aber auch wegen der nächtlichen Regengüsse, schienen mir diese Gletscher heute besonders hell und weiss zu leuchten.
Wir verlassen gegen zehn Uhr Zermatt mit der Matterhorn Gotthard Bahn. Dies allerdings nicht, bevor wir uns nochmals kurz in der Bahnhofstrasse von Zermatt umgesehen haben. Fast aus allen Schaufenstern prangte mindestens ein Bildchen des Matterhorns. Matterhorn auf Mützen, auf Tragtaschen, Matterhorn als Schokoladenberg, Matterhorn in Uhrengehäusen, an Eispickeln, Matterhorn einfach überall. Matterhorn im Winter, tief verschneit, mit und ohne Wolken-/Nebelkragen, Matterhorn in Gold oder wenigstens gelb glänzend, Matterhorn als kahle Felswand, Matterhorn als Spiegelung in einem See, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Alles andere ist hier logischerweise zweitrangig und steht in der zweiten Reihe.
Die Reise von Zermatt nach St. Moritz wird gut acht Stunden dauern. Mittagessen als Tellerservice im Panoramawagen während der Zugfahrt. Die Zugfahrt wird eine Länge von 291 KM aufweisen, uns über ebenfalls 291 Brücken und durch 91 Tunnels führen. Nach der Abfahrt in Zermatt auf 1604 MüM werden wir im Wallis, in Visp, bereits einen ersten tiefen Punkt (658 MüM) erreicht haben. Anschliessend geht es fast ununterbrochen bergauf auf den höchsten Punkt, den wir auf der Oberalp bei 2033 MüM erreichen. Nach der Oberalp fahren wir bis Chur hinunter, zum tiefsten Punkt auf 585 MüM. Dort wird auch die Lok auf die andere Seite des Zuges gehängt und wir fahren wieder hinauf nach St. Moritz auf 1775 MüM. Den Glacier Express als touristische Attraktion gibt es bereits seit dem 25. Juni 1930. In seiner heutigen Form verkehrt er seit 1993, täglich zwei Kompositionen von Zermatt nach St. Moritz und zwei weitere in umgekehrter Fahrtrichtung.
Von den SBB und zusammen mit der Matterhorn Gotthard Bahn gibt es die Möglichkeit einer Fahrt entlang der Gletscher. Dabei wird die Strecke vom Wallis durch das Urserental, dann das Rheintal bis Chur und anschliessend wieder hinauf ins Engadin mit der Bahn, im extra dafür eingerichteten Panorama-Wagen und im Extrazug gefahren.
Zum Abschluss der Sommerferienzeit haben wir uns diesen Ausflug geleistet. Irgendwie passt er ja auch zu meinen Fahrten mit dem Rennrad über Gletscherstrassen und Hochalpenstrassen von vor ein paar Tagen.
Heute erlebten wir also den ersten Teil dieser Fahrt, den Hinweg.
Noch bevor der Wecker mich aus dem Bett läutete, schien bereits wieder eine strahlende Sonne von einem wolkenlosen Himmel herunter. Nach dem gestrigen langen Tag und dem Rennen über die Grosse Scheidegg fühlte ich mich erstaunlich gut. Gute Voraussetzungen also, um auch die letzte Etappe, den Weg nach Hause, ohne Bedenken in Angriff zu nehmen.
Nach einem kräftigen und ausgiebigen Morgenessen brachte ich mein Vehikel zur Bahnstation der Lauterbrunnen - Mürren Bahn. Dort wurde es auf einen kleinen Container verladen, der dann später an der Endstation der Eisenbahn in der Grütschalp unter die Gondel der Luftseinlbahn gehängt wurde, welche uns nach Lauterbrunnen hinunter trug. Ziemlich genau um neun Uhr war ich fahrbereit für den Heimweg.
Das Lütschine-Tal nach Interlaken, auf der nördlichen Seite des Brienzersees in Richtung Meiringen bis nach Brienz, wo ich die Abzweigung zum Brünig hinauf nahm. Die 400 Meter Höhendifferenz waren zwar ziemlich schweisstreibend, dies obwohl ich doch noch einigermassen viel im Schatten des Waldes nach oben kurbeln konnte. Auf dem Brünig-Pass dann das obligate Passfoto. Ich fuhr ohne langen Aufenthalt weiter, hinunter über Lungern, Giswil, Sachseln bis nach Alpnachstad, wo ich eine längere Pause für das Mittagessen einlegte.
Als Team "Das wilde Quartett" haben wir heute am Inferno Mürren einen schönen Erfolg erreicht. Als wir uns Anfang Jahr anmeldeten wussten wir ja nicht so ganz genau auf was wir uns da einliessen. Schnell wurde uns zwar klar, dass wir wahrscheinlich keine Chancen auf einen Spitzenrang hatten, doch Letzte wollten wir auch nicht werden. Gemäss den heute Abend vorliegenden Ranglisten haben wir von 148 Teams, immerhin den 132. Rang erreicht. Wir, das sind eine Schwimmerin, ich als derjenige der den Teil des Rennrades bestritten hat, ein Mountainbiker und ein Läufer. Alle haben wir unser Bestes gegeben, wir hatten auch noch etwas Fun dabei, für die meisten von uns war das Gefühl des Rennens, die Rennatmosphäre neu. Es war zwar hart, aber noch nicht die Hölle (Inferno).
Danke an dieser Stelle, allen, die uns und mir die Daumen so fest gedrückt haben.
Der heutige Tag ist schnell erzählt: Nach einem ausgiebigen Frühstück habe ich mich noch um die letzten Details des morgigen Inferno Mürren gekümmert. Da werde ich ja im Rahmen der Team Trophy den Teil des Rennrades übernehmen. Nachdem mir die Schwimmerin den Zeitmessungschip übergeben hat, ist mein Teil eine Fahrt von Oberhofen am Thunersee über Beatenberg nach Interlaken, entlang dem Brienzersee bis nach Meiringen und dann über die Grosse Scheidegg nach Grindelwald hinunter. Dort wird dann der Mountainbiker die Strecke fortsetzen. Für mich sind das 97 km Fahrt und gut 2000 Höhenmeter. Zeit dazu habe ich höchstens 5 Stunden. Mal sehen, ob sich die ganze Höhenmeter-Klettererei der letzten Tage eher positiv oder negativ auswirkt. Knapp wird es auf jeden Fall. Mal sehen und vielleicht drückt mir ja jemand die Daumen. Spätestens 08:15 muss es in Oberhof losgehen.